BTR Ausgabe 2 2026
Foyer
Traum und Wirklichkeit
Seit dem 8. Oktober 2025 läuft im Friedrichstadt-Palast Berlin nun für zwei Jahre die neue Grand Show „Blinded by Delight“. Dafür wurde einiges auf den Weg gebracht – ob auf, über, hinter, neben und unter der Bühne. Wobei auch ein veraltetes Podium für kreative Lösungen sorgte
Fokus
Produktionen
Uiii! Ein schwungvoller Brecht free
„Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ am Schauspiel Frankfurt im schwarz-weiß gemalten Szenenbild ist reich an Spielorten und visuellen Überraschungen. Ein Comic-Film, der alle Sinne des Publikums anspricht und es zugleich in die politische Gegenwart holt
Der Himmel voller Blei
„Das große Heft“ nach dem gleichnamigen Text von Ágota Kristóf ist derzeit an den Schauspielhäusern in Hamburg und Bochum zu sehen. Die Regisseurin Jette Steckel hat in Bochum einen besonderen Fokus auf die Zusammenarbeit mit dem Lichtdesigner Bernd Felder gesetzt. Eine Konstruktion aus 300 Stahlrohren wird zum stählernen, drückenden Himmel und Klangobjekt
„Spiel an einem fernen, abstrakten Ort“
Vom 27. Februar bis zum 7. März 2026 war in der Potsdamer Friedenskirche eine Opernrarität zu erleben: „Zanaida“ von Johann Christian Bach erzählt eine Geschichte um Treue, Verantwortung und Selbstbestimmung vor historischer Kulisse. Der Einbau von Bühnenbild und Lichttechnik war nur unter strenger Einhaltung der Denkmalschutzauflagen möglich. Ein Gespräch mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Judith Philipp und dem Beleuchtungsmeister Silvio Schneider
Räume des Schreckens inszenieren
Was macht die Erlebnisqualität von Geisterbahnen aus, und lässt sich dieses Erleben in anderen Medien wirkungsvoll reproduzieren? Der Autor betrachtet im Rahmen seiner Masterarbeit diese interaktiven Räume in ihrer medientechnischen und kulturgeschichtlichen Entwicklung. Zudem werden Erkenntnisse über die Wirkweise von Geisterbahnen in Hinsicht auf Anwendungsmöglichkeiten der VR-Technik untersucht
Flexible Klangkontrolle
Die technischen und künstlerischen Anforderungen eines modernen Spielbetriebs erfordern entsprechend leistungsfähige Technik. Das Theater Erfurt hat im vergangenen Jahr seine Audio-Infrastruktur und Systeme der Audiotechnik modernisiert. Der in Erfurt ansässige Audio-Technica-Partner PROKLANG – GmbH gewann den Zuschlag für das Projekt und war für die Integration der Produkte von Allen & Heath verantwortlich
Markt
Sanierung, Bau, Betrieb
Theaterbau – einen Wissensschatz heben
Das mehrjährige Forschungsprojekt „Theaterbauwissen“ widmete sich bis 2024 der wissens- und sammlungsgeschichtlichen Erforschung der Theaterbausammlung des Architekturmuseums der TU Berlin. Das gleichnamige Buch betrachtet den Theaterbau des 20. Jahrhunderts. Wie wurde unser Wissen über den Theaterbau und Bühnentechnik produziert, verbreitet und geformt? Zwei der Herausgeber:innen, Franziska Ritter und Bri Newesely, gaben Auskunft zur Entstehung und dem Ziel des Projekts
Ein kontrollierter akustischer Raum
Das Theater am Potsdamer Platz in Berlin wird seit November 2025 mit der Produktion „ALIZÉ“, einer Show des kanadischen Cirque du Soleil, bespielt. Nicht nur visuell, sondern auch akustisch erwartet das Publikum ein außergewöhnliches Programm – dank des immersiven Sound-Systems Panther von Meyer Sound
Testergebnisse als nützliche Grundlage
Zur szenischen Bewegung von Drehscheiben und Bühnenwagen werden auch Reibradantriebe eingesetzt. Für deren Berechnung fehlen meist branchenspezifische Reibungskoeffizienten. Im Rahmen seiner Bachelorarbeit (Betreuung und Gutachten Katrin Omlor und Ralph Hillbrand) konnte unser Autor in Zusammenarbeit mit der Firma Räder-Vogel Reibwerte ermitteln und diese in seiner Tätigkeit in der Konstruktionsabteilung der Schaubühne Berlin praktisch überprüfen
Ein stiller Helfer
Für die Sanierung der Beleuchtungstraversen im Royal Ballet & Opera House London fiel die Entscheidung auf ein Zick-ZackSystem von igus. Das neue Energieführungssystem für die moderne LED-Bühnenbeleuchtung entspricht nun den gestiegenen Anforderungen an den Spielbetrieb des Hauses
Ein Fortschritt, der keiner ist
Der „CO2-Kulturstandard 2025“, herausgegeben vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (BW) und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), soll den Einstieg in eine klimagerechte Transformation des Kulturbetriebs erleichtern. Stattdessen liefert er nach Ansicht des Autors vor allem „Verwaltungslyrik in Tabellenform“. Sein Kommentar „zur sprachlichen Selbstvergewisserung ohne Wirkung – und zu einem Verfahren, das die Praxis ausgeklammert hat“
Funkspektrum, eine endliche Ressource
Die Nutzung des TV-UHF-Frequenzbereichs 470 bis 694 MHz steht in der Diskussion. Es gibt Länder, die die terrestrische TV-Verbreitung eingestellt haben und darauf verweisen, dass die TV-Verbreitung mittels Satelliten und Kabelnetzen bzw. IP-TV ausreichend sei. Neue Nutzer melden ihr Interesse an diesem für die Veranstaltungstechnik essenziellen Frequenzbereich an. Eine aktuelle Betrachtung
Leuchten mit Überraschungseffekt
Für seine neue Grand-Show-Produktion „Blinded by Delight“ hat der Berliner Friedrichstadt-Palast erheblich in MovingLights von Robe investiert. Thomas Herda, Technischer Direktor des Palastes, und Lichtdesigner Chris Moylan von den Sunrise Studios, erläutern das Konzept
Medien
Ausstellungen und Festivals
Adam und Eva im Kosovo
Im Rahmen der Ausstellung „Petrit Halilaj. An Opera Out of Time“ zeigt der Künstler neben anderen Exponaten auch sein erstes Opernwerk „Syrigana“ als Museumsfassung: Musik, Elemente des Bühnenbilds und die außergewöhnlichen Kostüme sind als Installation im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart in Berlin bis zum 31. Mai zu erleben. Zum Abschluss wird es auch Live-Aufführungen geben
Praxis, Aufbruch, Lobbying
Was bedeutet es, ein Festival unter dem Zeichen der Szenografie ins Leben zu rufen? Der Regisseur, Choreograf und Szenograf Aurélien Bory wagt dieses Experiment in Toulouse. Vom 15. bis zum 31. Januar veranstaltete er im Théâtre Garonne erstmals das „Scéno“, dessen Konzept sich in der Theaterlandschaft etablieren soll
Beruf und Bildung
Der Wille zu leuchten
Unter dem Titel „Materialize me!“ stellte Mitte Februar die Bühnenbildklasse der UdK Berlin im Ballhaus Ost ihre Semesterabschlussarbeiten vor – mit einer großen Bandbreite an künstlerischen Ausdrucksformen
Nachgefragt: Karo Krämer
Karo Krämer ist 27 Jahre alt und absolviert seit September 2025 eine Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik am Stadttheater in Fürth