Tanz am Abgrund

Einen fiktionalen Bühnenboden in die Höhe ziehen, um mit dem Absturz zu flirten: Das Kollektiv (La)Horde aus Marseille klotzt und lässt wild tanzen, zuletzt mit „Après moi, le déluge“ auf Kampnagel in Hamburg und bei „Tanz im August“ im Haus der Berliner Festspiele. Ein Plädoyer für die Szenografie

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Um (La)Horde, ein 2013 gegründetes Kollektiv der Künstler:innen Marine Brutti, Jonathan Debrouwer und Arthur Harel, werden Debatten geführt. Weder die Themen ihrer Stücke noch ihr choreografischer Stil und schon gar nicht ihr szenografischer Aufwand lassen Kritik und Publikum gleichgültig. Die drei leiten seit 2019 das Ballet national de Marseille. Dass die Wahl auf das junge Kollektiv fiel, war seinerzeit eine überraschende Entscheidung. Sieben Jahre und drei monumentale Kreationen später lässt sich feststellen: Das Experiment ist geglückt.

Die Stücke des Trios touren ausgiebig und rufen aufgrund ihrer gewagten Ästhetik mitunter heftige Reaktionen hervor. Tänzerisch haben sie einen Stil entwickelt, den man als erotisch-rebellisch charakterisieren könnte und über den (La)Horde dem Lebensgefühl der Jugend auf den Zahn fühlt. Oft porträtieren sie in ihren Stücken Communitys aus sehr verschiedenen Kontexten. Das können Senior:innen sein, Jumpstyle-Tänzer:innen, der Generationenkonflikt in Georgien oder westliche Millennials in ihrem Zwiespalt aus Wildheit und Sehnsucht nach Spiritualität.

Berichtet hatten wir über „Room with a view“, ihre erste Produktion mit dem von ihnen neu ...

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BTR Ausgabe 5 2026
Rubrik: Produktionen, Seite 28
von Thomas Hahn

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