Sie geben den Takt an

Rechts hinter dem Bühnenportal sitzen sie versteckt am Inspizientenpult und halten alle Fäden zusammen. Die Autorin hat die Inspizientinnen Ulrike Schaper und Katrin Reichardt bereits im März vor dem Lockdown an ihren Arbeitsplätzen im Schauspielhaus Bochum und am Aalto-Theater in Essen besucht.

Es ist Freitagabend und ich treffe Ulrike Schaper um 19 Uhr an der Pforte des Schauspielhauses in Bochum. Ihr erster Gang bei Dienstantritt führt sie ohnehin zur Pforte. Dort holt sie das Inspizientenbuch aus ihrem Fach und nimmt das Abendspielbuch für die Vorstellung im großen Haus entgegen. Auf dem Weg zum Inspizientenplatz findet sie immer wieder Zeit für einen kurzen Plausch mit der Regieassistentin oder einem Bühnenarbeiter. Der Monolog „Judas“ von Lot Vekemans steht an diesem Abend auf dem Programm.

Schaper hat diese Vorstellung für unser Treffen ausgesucht, weil der Schauspieler Steven Scharf den Monolog vor dem Eisernen Vorhang spielt, sodass ich als Gast am Inspizientenpult hinter dem Eisernen Vorhang nicht störe. Ein zweiter Grund ist, dass die einstündige Vorstellung verhältnismäßig wenig Technikeinsätze erfordert. So kann Ulrike Schaper mir zwischendurch von ihrer Arbeit erzählen, flüsternd versteht sich.

Solo im Großen Haus

Unser erster Weg führt auf, in diesem Fall vor die Bühne. Hier steht ein schwarzes Podest, aus dem eine Leiter herausragt, die am Eisernen Vorhang lehnt. Das Podest ist mit den Resten von Terrakotta-Tonkugeln übersät, die im Laufe des Stücks auf ...

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BTR Sonderband 2020
Rubrik: Thema: Berufsbilder und Porträts, Seite 18
von Antje Grajetzky

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