„Nachhaltig agieren heißt investieren“

Wenn beste Absichten auf überlastete Strukturen und überforderte Menschen treffen und die Beauftragungen nicht an fachkundiges Personal übergeben werden, entsteht nicht nur Unzufriedenheit. Es ist eine Tatsache, dass Nachhaltigkeit oder auch andere Themen mit praxistauglichen Positionen vermittelt werden müssen. Über- oder Unterforderung sind gleichermaßen schlechte Begleiter. Ein Technischer Direktor berichtet

Wir können Bedingungen und Abläufe in den Theaterund Opernbetrieben nur verbessern, wenn wir uns mit Themen auch kritisch auseinandersetzen und Schwachpunkte benennen. Hier schildert ein Technischer Direktor seine Erfahrungen und Arbeitsabläufe in seinem Haus. Die klingen bedauerlicherweise erschreckend, aber nicht unbekannt. Kulturbetriebe pflegen nicht immer eine offene Gesprächskultur in ihren Unternehmen. Der Kollege bat um Anonymität, der Name ist der Redaktion bekannt.

Wesko Rohde: Lieber Horatio, In Ihrem Theater gibt es seit einiger Zeit eine Nachhaltigkeits-AG, grundsätzlich eine gute Sache. Wer ist dort dabei?
Horatio: Nicht die Richtigen. Die haben nämlich im Normalbetrieb keine Zeit mehr für solche Runden. Es ist eine Mischung aus Verwaltungsangehörigen, Assistenten und künstlerischen Angestellten, die sich sehr schnell auf das naheliegende, aber nicht dringendste Thema „Dekorationsbau“ fokussieren, um schon lange umgesetzte oder völlig realitätsferne Maßnahmen „zu erarbeiten“, dabei aber die wirklich großen Potenziale zu übersehen.

Wo sollte Ihrer Meinung nach der Fokus liegen?
Na ja, da fallen mir sofort zwei Bereiche ein: Gebäude und Personal. Beim Gebäude lassen ...

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BTR Ausgabe 3 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 48
von Wesko Rohde

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