Musik in drei Dimensionen

In seinen Kompositionen verbindet Fabian Russ Samples mit eigenen Sounds zu neuen Klangwelten. Ihnen verhilft er durch Computertechnik und speziell angeordnete Lautsprecher zu einem besonderen Raumerlebnis: dem Klang in drei Dimensionen.

Wer einmal das Requiem von Hector Berlioz (1803–1869) als Aufführung erlebt hat, wird es kennen: Dieses Gefühl, Musik nicht nur einfach zu hören und mitten im Klang zu sein, sondern sich sogar als ein Teil von ihr zu erleben. Mit unvermittelter Wucht wirken Teile der Komposition auf die Zuhörerinnen und Zuhörer ein. Der französische Komponist hat während der Aufführungen des Stücks aus dem Jahr 1837 die Bläser an verschiedenen Orten im Konzertraum vorgesehen, sodass die Musik von allen Seiten auf das Publikum einströmt, zumal wenn sie von der Decke reflektiert wird.

Diese Fülle des Klangs ist nicht ohne Weiteres zu erzielen, denn für die Bläsersätze muss manch ein Orchester um zusätzliche Musikerinnen und Musiker, Blechbläser vornehmlich, erweitert werden.

Auch Fabian Russ zieht für seine Kompositionen mehrere Kräfte zusammen. Allerdings auf andere Weise. Er arbeitet an einem ähnlich raumfüllenden Klang wie Berlioz – aber unterstützt durch Computertechnik um einige Facetten reicher. Russ will erzielen, dass sich seine Musik um das Publikum herum bewegt, dass ein „dreidimensionaler Raum der Musik“ entsteht, wie er das nennt. Mit Stereo hat das nicht mehr viel zu tun. Die Klänge ...

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BTR Ausgabe 2 2022
Rubrik: Ton & Licht, Seite 19
von Marie-Luise Braun

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