Leichtbau im schweren Erbe

NS-Architektur als Kunst-Ort: In Nürnberg soll die Kongresshalle des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes künftig auch die Interimsspielstätte für die Opern- und Tanzsparte des Staatstheaters beherbergen. Wie geht man mit dieser Nazi-Bürde um?

Es ist eine Interimslösung der besonderen Art: Die Kongresshalle des ehemaligen Nürnberger Reichsparteitagsgeländes wird für einige Jahre zum Spielort und zur Arbeitsstätte für die Beschäftigten des Staatstheaters Nürnberg. Denn das marode, im Jahr 1905 eröffnete Opernhaus am Richard-Wagner-Platz muss generalsaniert werden. Die Kombination aus Interim und Sanierung, die Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU) beim Beschluss des Stadtrats am 15.

Dezember 2021 als „Nürnbergs größte Einzelinvestition seit dem Zweiten Weltkrieg“ bezeichnete, ist zuallererst ein finanzielles Mammutprojekt. Die aktuellen Kostenschätzungen für Interim und Sanierung belaufen sich auf 500 bis 550 Millionen Euro. Allerdings existieren derzeit weder ein verbindliches Raumprogramm für das Opernhaus noch ein konkreter Entwurf für die Ausweichspielstätte. Abweichungen nach oben sind also nicht unwahrscheinlich. Summen von 800 Millionen bis einer Milliarde Euro werden allenfalls halbherzig dementiert. Die Stadt selbst hat für das Großprojekt kein Geld. Behauptet zumindest ihr Kämmerer Harald Riedel, der wiederholt verlangt hat, dass der Freistaat Bayern die Kosten für Opernhaus und Interim „zu 100 Prozent“ ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent der Bühnentechnischen Rundschau? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Bühnentechnische-Rundschau-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Bühnentechnische Rundschau

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

BTR Ausgabe 2 2022
Rubrik: Bau & Betrieb, Seite 78
von Thomas Heinold

Weitere Beiträge
Bücher 2/22

Odyssey
Light Colour Time

von Steven Scott 256 Seiten, 350 Abbildungen in Farbe, 27,2 × 31 cm, gebunden, Englisch. ISBN 978-3-7774-3958-7 Hirmer, München 2022 EUR 45,00 / CHF 54,90

Hauptthema im Werk des englischen Künstlers Steven Scott (*1955) ist das Phänomen des Lichts in all seinem Facettenreichtum und seiner Komplexität. Als Gründer und Designer an den...

„Der Motor läuft wieder“

Besonders die Freiberufler, zu denen auch der Lichtdesigner Andreas Rehfeld zählt, hatten in den vergangenen zwei Jahren keinen leichten Stand. Nun kommen neben neuen technischen Herausforderungen auch viele organisatorische hinzu, da die zahlreichen Produktionen in kurzen Abständen auf die Bühnen gebracht werden müssen. Die persönlichen und die personellen...

Branche, Personalien 2/22

Konzerthaus neu
In den vergangenen zwei Jahren wurde in Wernigerode die entwidmete Liebfrauenkirche zu einem Konzerthaus umgebaut, am 3. März wurde es eröffnet. Das Philharmonische Kammerorchester Wernigerode verfügt damit über einen zentralen Proben- und Konzertort. In dem stützenfreien Saal finden 480 Zuschauer, ein Orchester und bis zu 60 Chormitglieder auf...