Gegensätze zieht sie an

Sabrina Bosshard schätzt die Plastizität von Text und Material. Nicht zuletzt wegen ihrer Kostüme für „Übergewicht, unwichtig: Unform“ am Staatstheater Nürnberg wurde sie dieses Jahr bei der Kritiker:innenumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ zur „Kostümbildnerin des Jahres“ gekürt. Ein Porträt

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Diese Frau soll Kostümbildnerin sein? Zur blauen Jeans trägt sie ein schlichtes, geripptes schwarzes Shirt mit Spaghettiträgern, die wilden Locken hat sie mit einer Spange am Hinterkopf gebändigt, eine schwarze Schirmmütze über die dunklen Haare geschoben. So unauffällig sehen doch Kostümbildner:innen nicht aus; das sind doch die, die man beim Premierenapplaus immer an den ausgefallenen Outfits erkennt. Nicht so Sabrina Bosshard. Die 39-jährige Zürcherin erregt lieber mit ihren Kostümen Aufsehen. Da kann es ihr nicht schrill, nicht künstlich genug sein.

Etwa diese Kneipengesellschaft von Werner Schwabs „Übergewicht, unwichtig: Unform“ am Staatstheater Nürnberg, das zum Theatertreffen eingeladen wurde (BTR 3/2024): Alle Spieler:innen stecken in rosafarbenen Latexkörpern, aus denen dicke kurze Beinchen links und rechts in die Luft ragen (die eigenen Beine bringen dunkle Strümpfe optisch zum Verschwinden). Masken machen alle zu Glatzenträger:innen, lassen nur die Augen frei und den Mund, den wulstige Lippen überbetonen. An den Leibern tragen sie schrillrote oder schreiend grüne kurze Kleidchen für die weiblich gelesenen Wesen, aus tiefen Ausschnitten lugen silberne Brüste mit ...

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BTR Ausgabe 6 2024
Rubrik: Produktionen, Seite 26
von Valeria Heintges

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