„Es ist unser Land“

Seit mehr als einem Monat herrscht Krieg in Europa, mit dem Angriff von Putins Russland auf die Ukraine ist das Leben vieler Menschen aus den Fugen geraten oder zerstört worden. Ein Interview und zwei Briefe erzählen von der Sorge um Familie und Freunde, von großer Fassungslosigkeit, Wut und Trauer. Die persönlichen Einsichten beschäftigen sich mit plötzlich gefühlter Belanglosigkeit der eigenen Arbeit ebenso wie mit der Bedeutung von Kunst und dem Sinn von Sanktionen.

Der ukrainische Bariton Iurii Samoilov steht in „Don Giovanni“ und „Così fan tutte“ in Frankfurt/Main und Dresden auf der Bühne.

Jürgen Otten: Herr Samoilov, wie geht es Ihnen?
Iurii Samoilov: Ich bin sehr, sehr traurig. Ich bin nervös, verzweifelt. Und manchmal alles zusammen. Was ich nicht spüre, ist Aggressivität oder Wut. Ich habe vor allem Angst um meine Familie, die in der Nähe von Odessa lebt, Angst um meine Freunde und Bekannten, Angst aber auch um Menschen, die ich nicht persönlich kenne, die aber diesem Krieg hilflos ausgesetzt sind.

Gibt es eine Chance, Ihre Eltern noch rechtzeitig herauszuholen? 
Ja. Ich hatte mit meinen Eltern schon am 24. Februar, bei Ausbruch des Kriegs, gesprochen und sie davon zu überzeugen versucht, von Odessa erst in Richtung West-Ukraine und dann über die Grenze nach Polen, Moldawien oder Rumänien zu gelangen. Zunächst wollten sie das Land nicht verlassen. Aber gerade heute haben sie sich umentschieden und sind auf dem Weg zur rumänischen Grenze. Das Problem ist nur: Nicht nur dort ist das Verkehrsaufkommen gewaltig. Es sind viele Ausländer darunter, zudem schwangere Frauen, Frauen mit kleinen Kindern, die Bedingungen sind schrecklich. Ich kann ...

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BTR Ausgabe 2 2022
Rubrik: Foyer, Seite 8
von Jürgen Otten

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