Zwischen Domestizierung und Instinkt
Eleonore Garazzo lebt allein, arbeitet als Immobilienmaklerin und hat längst finanzielle Unabhängigkeit erreicht. An einem Septembertag entdeckt sie, dass sie eigentlich eine Katze ist. Es ist eine Entdeckung, keine Entscheidung, und später wird sie sagen, dass sie sich das nicht ausgesucht habe. Sie blickt schlicht auf ihr bisheriges Leben zurück und bemerkt, dass das, was es ausmacht, katzenhaft ist. Ihr widerfährt kein magischer Moment der Erleuchtung, es ist eher eine Lösung für alles, wofür sie bisher keine Worte hatte.
In diesem Moment beginnt Eleonore, sich neu zu finden. Sie kündigt ihre Arbeit und verschweigt dabei nicht, dass Reichtum und Eigenheim ihr Rückzug und Alleingang erlauben. Sie nimmt das Katzendasein wörtlich und ernst, trägt immer häufiger ein Fell, beginnt nachts zu jagen und übernimmt die unsteten Schlafphasen eines Tieres. Ihr Verhältnis zu ihrem sonst so zuverlässig performenden Maklerinnenkörper wird vielschichtiger und vitaler. Ihre Sinne weiten sich, verändern die Wahrnehmung von Welt und des eigenen Platzes darin. Und auch ihre Wesenszüge werden unberechenbarer und widersprüchlicher – wie die einer Katze eben.
Beim radikalen Fokus auf sich selbst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 151
von Katrin Schmitz
Wer hätte vor wenigen Jahrzehnten gedacht, dass die westlichen Demokratien sich bald von innen auszuhöhlen beginnen? Dass rechte Bewegungen einen bedenklichen Zuwachs bekommen? Dass Gestalten nach oben geschwemmt werden, die auf Wahlergebnisse und zivile Umgangsformen pfeifen? Dabei wurde nach dem Fall der Mauer bereits das Ende der Geschichte ausgerufen – was...
Viel hatte die Freie Szene sich vorgenommen nach dem ersten Schock der Pandemie. Ansätze für strukturelle Veränderungen hatte es schon vorher gegeben. Die Missstände waren seit Langem bekannt und die Konzepte, um sie zu bearbeiten, lagen schon in den Schubladen. Nun sollten sie endlich auch umgesetzt werden. Ein Wendepunkt?
Darauf haben wir auch bei den Impulsen...
Eine tolle Kollegin, mit der ich viel zu selten Kaffee trinken gehe, meinte vor Kurzem zu mir, sie hätte einmal die schon recht erfahrene Vorzimmerdame eines größeren deutschen Theaters, die schon einige Wechsel von einigen Intendierenden in ihrem Vorzimmerleben miterlebt hat, gefragt, wie das denn nun so sei, über all die Jahre, mit all den Wechseln, und ob es...
