Zurück zum Ganzen
Wie man in diesen Tagen gute Laune bekommt? Gar nicht. Es sei denn, man sieht und hört nicht, was in der Welt passiert. Wenn es unerträglich wird, wenn alles zu laut, zu düster, zu schnell und zu hoffnungslos erscheint, dann gibt es zwei Dinge, die mir ein wenig Trost geben.
Das Erste ist ein Spaziergang über den St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin. Ich bin in der Straße aufgewachsen, gleich um die Ecke. Ich kenne fast jeden Baum dort. Rio Reiser liegt da. Die Brüder Grimm. Max Bruch. Ich glaube, dass ich auch einmal dort begraben werden will.
Nach dem Spaziergang setze ich mich ins Café am Eingang des Friedhofs. Ich bestelle Kaffee, esse ein Stück hausgemachten Kuchen. Ich schaue nicht aufs Handy. Ich lese kein Buch. Ich sitze einfach da und beobachte die wenigen Menschen, die vorbeikommen. Mehr nicht.
Warum mir das hilft? Weil ich bei den Toten dem Leben näher bin. Weil ich daran erinnert werde, dass alles ein Ende hat – wirklich alles. Und dass das nicht nur traurig ist, sondern auch tröstlich.
Manchmal summe ich «König von Deutschland» und denke daran, dass Rio Reiser so jung gestorben ist. Und dass auch ich vielleicht jung sterben kann. Dann überkommt mich ein Gefühl der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Cheering up, Seite 91
von
Wie die gute Laune behalten innerhalb einer multiplen Krise? Vielleicht gar nicht. Der Aktivist und Künstler Christophe Meierhans meinte schon 2022, man müsse erstmal richtig im Tal unten ankommen und die Lage akzeptieren, um wieder starten zu können. In der Floating University hatte er damals in Anlehnung an Techniken der Stoiker eine Meditation entwickelt, bei...
Eines muss Julia Riedler gleich zu Beginn klarstellen: «Wir haben das gar nicht überschrieben!», protestiert sie. «Null. Nur die letzten zwei Seiten sind neu geschrieben. Sonst ist alles Schnitzler.»
In München, wo die Schauspielerin nach ihrer Kündi -gung an den Kammerspielen 2020 nie ganz weggezogen ist, treffen wir uns, um über «Fräulein Else» zu reden. Das Solo...
Eine kurze Definition von Trauma könnte lauten: «eine Vergangenheit, die nicht vergeht». Sie vergeht nicht, weil sie in der Geschichte nicht überwunden und abgeschlossen wurde und damit nicht Teil der Vergangenheit geworden ist, sondern immer wieder zu einer neuen Gegenwart werden kann. Wenn es dazu kommt, zeigt das Trauma sein wahres Gesicht und wird zu einer...
