Zur Stunde Null ausgerechnet Kroetz
Auen und Wiesen, Paddelboote mit bemützten Männern schlagen kleine Wellen in das ruhige Wasser, die «Weiße Flotte» bringt Eltern mit ihren Kindern in frisch gestrichenen Schiffen an verträumte Orte mit Ausflugslokalen und ganzjährig genutzten Campingplätzen.
Beschaulich, behaglich oder gar betulich sind nicht die üblichen Adjektive für die neue Dramatik, und somit herrscht während des Festivals im Mai ein zehntägiger Ausnahmezustand für die Stadt an der Ruhr.
Das Verhältnis der politisch Verantwortlichen in der Stadt zu den «Stücken» war zu Beginn ambivalent: Stolz und Distanz, Anerkennung, Respekt und Skepsis. Die Sicht von außen dagegen durchweg positiv und geprägt von großer Wertschätzung für das Engagement der Stadt und deren Kulturpolitiker. So schreibt «Die Zeit» am 6. Februar 1976: «Daß nun auch die Stadt Mülheim an der Ruhr alljährlich Theatertage veranstalten will, klingt zunächst nur wie ein Ausdruck mittelstädtischer Kultureitelkeit – was sollen neben den vielen Studio- und Kindertheatertreffen, neben Ruhrfestspielen und Berliner Theatertreffen Festspiele ausgerechnet in Mülheim? ‹Stücke 76› heißt das Motto des ersten Treffens vom 1. bis 8. Mai; es zeigt, daß man sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2015
Rubrik: Mülheimer Theatertage, Seite 44
von Udo Balzer
Den Ausschlag könnte der «Kreidekreis» gegeben haben, den Armin Petras fürs Grips Theater in ein Krankenhaus verlegt hat und den erwachsene Schauspieler und Kinder gemeinsam spielten: als eine Parabel über klammernde Eltern und sich selbst ermächtigende Kinder. Bei einer Vorstellung im Februar, morgens um 11 Uhr, konnte man zwischen den Kinderscharen im Podewil,...
Schwer was los bei Fiesko, dem Grafen von Lavagna (Christian Erdmann): Die Upperclass zu Genua hat sich ums gräfliche Designer-Tischchen zum Flaschendrehen versammelt – wobei sich It-Girl Julia (Karina Plachetka) schwer enthemmt als Flasche zur Verfügung stellt. Fiesko-Gattin Leonore (Ines Marie Westernströer) hottet unterdessen im hochpreisigen Silber-Top ab,...
TH Bei der letzten Sitzung der Theatertreffen-Jury kommt die Wahrheit auf den Tisch. Große Dramen, ästhetische Treueschwüre, umkämpfte Seitenwechsel, knappe Entscheidungen. Wie war es in diesem Jahr? Wie viele Stunden wurde gerungen?
Peter Laudenbach Die letzte Sitzung war erschreckend harmonisch.
Stephan Reuter Wir haben uns fast nicht gestritten.
Laudenbach Obwoh...
