Zur Stunde Null ausgerechnet Kroetz

Wie alles anfing: die ersten «Stücke» 1976

Theater heute - Logo

Auen und Wiesen, Paddelboote mit bemützten Männern schlagen kleine Wellen in das ruhige Wasser, die «Weiße Flotte» bringt Eltern mit ihren Kindern in frisch gestriche­nen Schiffen an verträumte Orte mit Ausflugslokalen und ganzjährig genutzten Campingplätzen.

Beschaulich, behaglich oder gar betulich sind nicht die üblichen Adjektive für die neue Dramatik, und somit herrscht während des Festivals im Mai ein zehntägiger Ausnahmezustand für die Stadt an der Ruhr.

Das Verhältnis der politisch Verantwortlichen in der Stadt zu den «Stücken» war zu Beginn ambivalent: Stolz und Distanz, Anerkennung, Respekt und Skepsis. Die Sicht von außen dagegen durchweg positiv und geprägt von großer Wertschätzung für das Engagement der Stadt und deren Kulturpolitiker. So schreibt «Die Zeit» am 6. Februar 1976: «Daß nun auch die Stadt Mülheim an der Ruhr alljährlich Theatertage veranstalten will, klingt zunächst nur wie ein Ausdruck mittelstädtischer Kultureitelkeit – was sollen neben den vielen Studio- und Kindertheatertreffen, neben Ruhrfestspielen und Berliner Theatertreffen Festspiele ausgerechnet in Mülheim? ‹Stücke 76› heißt das Motto des ersten Treffens vom 1. bis 8. Mai; es zeigt, daß man sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2015
Rubrik: Mülheimer Theatertage, Seite 44
von Udo Balzer

Weitere Beiträge
Brennpunkt Rostock: Kunst oder Abriss?

Um kernige Worte war Sewan Latchi­nian in den letzten Wochen nicht verlegen, wenn er auf die Theaterpolitik im Land Mecklenburg-Vorpommern und in der Hansestadt Rostock zu sprechen kam. «Unsinnig und asozial» nannte der Intendant in einer Ansprache vor der jüngsten «Mahagonny»-Premiere den Bürgerschaftsentscheid, das von ihm geführte Volkstheater um zwei Sparten zu...

Gegen die Gefälligkeiten!

TH Bei der letzten Sitzung der Theatertreffen-Jury kommt die Wahrheit auf den Tisch. Große Dramen, ästhetische Treueschwüre, umkämpfte Seitenwechsel, knappe Entscheidungen. Wie war es in diesem Jahr? Wie viele Stunden wurde gerungen?

Peter Laudenbach Die letzte Sitzung war erschreckend harmonisch.

Stephan Reuter Wir haben uns fast nicht gestritten.

Laudenbach Obwoh...

Stuttgart: Panoptikum der Verlierer

Diese Inszenierung nervt. Sie ist laut, schrill, obszön. Sie veralbert und verschalkt ihre Figuren. Sie übertreibt in ihren Mitteln, scheint kein Maß und keine Sensibilität zu haben. Und doch trifft es die Inszenierung in einem Punkt genau: ein Grundgefühl dafür zu schaffen, was das Leben in Israel und Palästina ausmacht – immer am Abgrund, immer aber auch mitten...