Gegen die Gefälligkeiten!
TH Bei der letzten Sitzung der Theatertreffen-Jury kommt die Wahrheit auf den Tisch. Große Dramen, ästhetische Treueschwüre, umkämpfte Seitenwechsel, knappe Entscheidungen. Wie war es in diesem Jahr? Wie viele Stunden wurde gerungen?
Peter Laudenbach Die letzte Sitzung war erschreckend harmonisch.
Stephan Reuter Wir haben uns fast nicht gestritten.
Laudenbach Obwohl viele Inszenierungen völlig okay, aber nicht unbedingt Theatertreffen-verdächtig waren. Das macht die Entscheidung nicht unbedingt einfacher.
Reuter Aber es gab gleich bei der ersten Abstimmung mit großer Mehrheit vier oder fünf völlig unumstrittene Einladungen. Das hat schon mal sehr geholfen.
TH Was ist denn zum Beispiel eine völlig okaye Inszenierung, die nicht Theatertreffen-verdächtig ist?
Laudenbach Mehr als okay finde ich «Ein Exempel» von Lutz Hübner und Sarah Nemitz. Sie haben recherchiert, wie die seltsame sächsische Justiz mit Antifaschisten umgegangen ist: ein sehr fairer, genau beobachteter, kluger, unpolemischer Abend. Die Inszenierung hat in Dresden zu großen Diskussionen geführt, das Theater hat eine Stadtöffentlichkeit zu einem politisch wichtigen Thema hergestellt. Ich finde das vorbildlich. Es wäre ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Best of Berlin und Mülheim, Seite 30
von Eva Behrendt, Franz Wille
Es ist nur ein Katzensprung vom Wiener Burgtheater am prachtvollen Universitätsring zur nicht weniger prachtvollen Votivkirche am Rooseveltplatz, die im Dezember 2012 von einer Gruppe von Asylbewerbern besetzt wurde. Von hier aus führten sie ihren Kampf um Anerkennung und gegen Abschiebung – ein größtenteils erfolgloser Kampf. Elfriede Jelinek nahm das «Refugee...
Esther Boldt Martine Dennewald, Sie haben zuletzt als Dramaturgin und in der Interimsleitung des Mousonturms gearbeitet; zuvor waren Sie Schauspielreferentin bei den Salzburger Festspielen. Was bringen Sie aus Salzburg und Frankfurt mit zum Festival Theaterformen?
Martine Dennewald Mein Adressbuch. (lacht) Ich weiß, was für eine Verantwortung ich trage, das bringe...
Gedenktage wirbeln selten was anderes als Archivstaub auf. Aber dieser hier hat es in sich: 100 Jahre Völkermord an den Armeniern. Nicht nur, dass die offizielle Türkei die historische Wahrheit notorisch leugnet. Nicht nur, dass die Gegend um Aleppo heute erneut in Blut und Tränen ersäuft. Nicht nur, dass am ersten generalstabsmäßig geplanten Genozid der Moderne...
