«Was läuft schief? – Alles!»
In einer charmant abgerockten Fabrikhalle in der szenigsten Gegend von Minsk sitzt ein nackter, rot bemalter Endvierziger und verspeist in hoher Frequenz gebratene Hühnerschenkel. Falls er den kleinen Geflügelberg, der sich da auf dem Tisch vor ihm auftürmt, tatsächlich aufessen wollte, hätte er ziemlich Menschenunmögliches vor.
Um eine Mission impossible scheint es dem verzehrfreudigen Künstler Konstantin Muzhev, den das Programmbuch als «Performer mit skandalösem Ruf» vorstellt, allerdings nicht zu gehen.
Muzhev, der – so der Begleittext weiter – «vor allem für seine Gewohnheit bekannt» sei, «nackt aufzutreten», hat offenbar einfach Spaß daran, mit dezidiert unkontrollierten Bewegungen ein paar leidlich abgenagte, in Ketchup getränkte Hühnerknochen ins Publikum zu werfen, das im Halbkreis um den Geflügeltisch steht und im Übrigen eher halbherzig-gemächlich und durchaus teilamüsiert die Flucht ergreift als irgendwie panisch oder schockiert.
In der Fabrikhallenmitte scheint sich indes tatsächlich Spektakuläreres anzubahnen. Ein an einem Stahlträger abgeseilter Mensch in feuerfestem Ganzkörperanzug, Gesichtsmaske inklusive, schwingt sich werkvorbereitend in eine Art ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: International, Seite 31
von Christine Wahl
Wenn im Theater gehustet wird, dann normalerweise im Zuschauerraum. Diesmal aber fängt die Vorstellung damit an, dass das in Anoraks und Daunenmäntel gehüllte Ensemble sich vor dem Vorhang aufreiht und so lange herzhaft um die Wette hustet, bis der – ebenfalls hustende – Doktor seine Patienten von der Bühne holt. So beginnt Alexander Eisenachs Inszenierung des...
black snow falls
aus den notizen einer anonymen klimaforscherin
(spätes zwanzigstes jahrhundert)
zur besetzung freigegeben sind
ein singender Kondukteur
zwei chinesische Wanderarbeiter
eine handvoll Passagiere
Marianne Sonja Doris Fred Martin
und ein
ausgebrannter Chor im ewigen ice der
Spätmoderne
den man
so die empfehlung des verfassers
durchweg als kinderchor
besetzen...
Hat man schon mal einen Dramatiker erlebt, der die Sprache einen «Horror» nennt und dabei mit Wittgenstein argumentiert, dem Logikfreak und Sprachphilosophen? Österreicher, meint der Österreicher Thomas Köck, würden der Sprache so fremd gegenüberstehen, dass sie ihr nur auf der Ebene des Horrors begegnen, sonst würden sie gleich gar nicht reden. Und das könne man...
