Zehenspiele
Das Verhältnis zwischen Bildender Kunst und Theater ist prekär. Zwar wird mittlerweile kaum eine Biennale oder Ausstellung ohne einen Beitrag aus dem performativen Bereich eröffnet, und auch das Theater sucht, wenn auch leidenschaftsloser, die Nähe zu Installation und neuen Medien sowie Rezeptionsformen der Kunst. Doch selten gelingen Arbeiten, in denen sich Kunst und Schauspiel stimmig und auf Augenhöhe begegnen.
Von einer solchen Begegnung mit dem Titel «Aufräumarbeiten im Wasserfall» ist nun aus Bern zu berichten, der ersten Zusammenarbeit zwischen der Tänzerin Anna Huber und dem Künstler Yves Netzhammer im Rahmen der «Zeitgenössischen Schweizer Tanztage». Netzhammer hat das Spielfeld für den solistischen Auftritt seiner Kollegin in die kahle Turbinenhalle der Dampfzentrale implementiert.
Auf dem Boden ist ein Raster aus sechs Mal sieben Quadraten mit Holzstäben ausgelegt. Orangefarbene Ballons an den Kanten markierten den Handlungs- und Bewegungsraum der Tänzerin Anna Huber, während die Hallenrückwand die eigentliche Domäne des Künstlers Yves Netzhammer reklamiert: Hier werden im Verlauf des Abends computeranimierte Landschaften, Interieurs und Stillleben projiziert, und, auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2011
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Max Glauner
Es gibt nichts Schöneres als junge Menschen, die voller Enthusiasmus und Energie Theater spielen. Aber unter uns: Wenn es nicht gerade die eigenen Kinder sind, die sich auf Schul- oder Kitabühnen austoben, ist diese Behauptung reine Heuchelei. Ein gutes Beispiel für die Wirkungsgrenzen von Jugendfrische und Kreativität kann man derzeit in den Kammerspielen des...
Eine Handvoll Orthopädie-Patienten schlurft auf die Bühne des Kleinen Hauses im Staatsschauspiel Dresden. Der zweckorientierten Sportkleidung nach zu urteilen, die die Truppe unter ihren Beinschienen, Kniemanschetten und Halskrausen trägt, ist sie auf dem Weg zur Krankengymnastik. Die erste Übung: kollektives Zittern im Kreis. Man schlägt sich wacker. Auch in der...
Andreas aus Braunschweig hat 14 Jahre Musikwissenschaft studiert und ist dann nach Paris gegangen. Promovieren, sagt er. Inzwischen lebt er auf der Straße, kann aber trotzdem Verdis «Macht des Schicksals» nach Tonarten brillant analysieren und setzt zur melancholisch-düsteren Passage in e-Moll die erste oder auch schon fünfte Molle an. Dass der verpfuschte Begabte...
