Zart und hart

nach Fatma Aydemir «Dschinns» (U) am Maxim Gorki Theater Berlin

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Istanbul in den 1990ern. Ein Mann steht in seiner neuen Wohnung und stellt sich vor, wie sehr sich seine Frau und die vier Kinder freuen werden, wenn sie sie zum ersten Mal zu sehen bekommen. Er hat jahrzehntelang als Arbeitsmigrant in Deutschland geschuftet, um sich die Eigentumswohnung leisten zu können. Doch bevor er sie vorzeigen kann, stirbt er an einem Herzinfarkt.

Mit dieser tragischen Szene beginnt Fatma Aydemirs Roman «Dschinns», mit dem sie 2022 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand, und sie steht auch am Anfang von Nurkan Erpulats Inszenierung am Maxim Gorki Theater.

Im Hintergrund eine stoffbespannte Wand, die zugleich ein Kolumbarium und die eingemottete Inneneinrichtung jener Wohnung sein kann, davor sechs Darsteller:innen in weißen Festanzügen, die die letzten Minuten des verstorbenen Vaters heraufbeschwören. Sie sprechen in «Du»-Form von ihm: «Du hast endlich einen Ort gefunden (…).» Ein literarischer Kniff, der bewirkt, dass man augenblicklich mittendrin ist, selbst wenn die Lebensrealität dieses Mannes weit von der eigenen entfernt ist.

Sein Tod bildet den Ausgangspunkt für einen Theaterabend, an dem man viel über die komplexen Strukturen innerhalb ...

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Theater heute 4 2023
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Anna Fastabend

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