Wutbürger und Hippies
Nicht jede Inszenierung braucht eine Bühne. Mitunter reicht ein Interview, wie der damalige Burg-Direktor Claus Peymann 1988 mit seinem launig-provokanten Gespräch mit dem Hamburger Wochenblatt «Die Zeit» bewies («Wenn Sie wüssten, was für eine Scheiße ich hier erlebe! Man müsste dieses Theater von Christo verhüllen und abreißen lassen»). Auch Martin Kušej teilt zu Beginn seiner Intendanz am Burgtheater in der «Zeit» kräftig aus.
Zuvor hatte er bereits klargestellt, dass er dieses Nationaltheater nicht nur zu einem «Hort der Opposition», sondern auch als europäische Bühne, in der selbstverständlich Mehrsprachigkeit herrscht, neu positionieren möchte. In Sachen Politik legt er in besagtem Interview nach: Er beobachte in Österreich eine «Situation wie früher, kurz vor der Machtergreifung». Und habe die «Befürchtung, dass man hier richtig eins auf die Rübe kriegt», habe aber «keine Lust, zum Märtyrer zu werden».
Abgesang auf die Vernunft
Ulrich Rasches Version des Euripides-Dramas «Die Bakchen», mit der Kušej seine Intendanz eröffnet, wirkte prompt wie die Bebilderung dieser politischen Gewaltfantasie. Ein düsterer, apokalyptischer Maschinentheaterchorabend, wie man ihn von Rasche ...
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Theater heute November 2019
Rubrik: Starts, Seite 16
von Karin Cerny
Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!
Fridays for Future
Wenn jedes der Werkzeuge, sei es auf erhaltenen, sei es auf erratenen Befehl hin, seine Aufgabe zu erfüllen vermöchte, bedürfte es für die Meister nicht die Gehilfen und für die Herren nicht die Sklaven.
Aristoteles, Politeia
die kontinuität des ich–bewusstseins, soweit sie...
Wie bremst man ein Stück aus, das noch nicht einmal ein bisschen Fahrt aufgenommen hat? Indem man es gar nicht richtig anfangen lässt. Pinar Karabulut jedenfalls entscheidet sich bei der Uraufführung von Mehdi Moradpours «Attentat oder Frische Blumen für Carl Ludwig» dafür, mit zehn Minuten rituellem Nichtstun zu beginnen. Vier Gestalten in goldglänzenden...
Stephan Speicher Der Riss durch Deutschland soll erhalten werden, haben Sie gesagt. Müsste man die Mauer wieder bauen?
Heiner Müller Man soll nicht so tun, als ob da kein Riss ist. Diesen Riss muss man sich erst einmal bewusstmachen und analysieren, was mit der Vereinigung nicht funktioniert. Es war lange eine Tendenz, im Bierrausch alles für geklärt zu halten....
