Wo der rote Drache leuchtet
Wenn es um die ganz großen Menschheitsfragen geht, ist ein gewisses Pathos durchaus angebracht, findet jedenfalls die ewig jugendfrische Tanja. «Ich möchte, dass unser Leben ein lichter Traum von der Zukunft ist, von einem nie endenden Glück», agitiert sie großäugig ihren Kompagnon Wassja und kann gar nicht verstehen, dass der dem Fortgang der Geschichte etwas skeptischer entgegensieht. «Denken Sie doch einmal nach vorn», ermahnt Tanja den kleinlaut an ihrer Seite klemmenden Zukunftsspaßverderber mit der Fröhlichkeit eines Selbstoptimierungscoachs.
Schwer zu sagen, wann und wo die beiden eigentlich unterwegs sind. Man sieht sie im Großen Haus des Staatsschauspiels Dresden auf einer Videoleinwand; mutmaßlich in einer Art fliegendem Auto oder einer Weltraumkapsel. Jedenfalls sprechen sie aus einer nicht näher definierten Zukunft heraus, in der dank bahnbrechender technologischer Entwicklungen der Himmel auf Erden angeblich zum Greifen nahe ist. Es gibt da nur noch ein paar minimale Mühen der Ebenen, räumt Tanja sinngemäß ein; wirklich Kleinigkeiten, zum Beispiel das Wohnungsproblem und ähnliche Marginalien, die sich im weitesten Sinne unter der sozialen Frage gruppieren ließen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Christine Wahl
Die piekfeine «Kronenhalle» mit weißen Tischtüchern und Kunst an den Wänden, der etwas weniger schicke, dafür architektonisch cool geschwungene Kiosk am Bellevue-Platz, die primärfarbenen Kuben von Le Corbusiers «Heidi-Weber-Haus» im Seefeld und ein Pornokino von der Langstraße: Aleksandar Denic spielt mit seiner Drehbühne im Pfauen ganz auf Zürich, ein mit sich...
Politik ist nur Clownerie? Das scheint doch etwas plump gedacht. Es geht um Politik, so sehr wie in keinem anderen Shakespeare-Stück. Alle sind sie Clowns in Tilmann Köhlers Düsseldorfer Inszenierung – das wankelmütige Volk, die Volksvertreter, die nur ihre Funktion sichern wollen, die stolzen Aristokraten, der joviale Senator – alle meinen es ernst, aber alle...
Neue Stücke
Ganz ohne Quote hat die Jury der Autorentheatertage dieses Jahr nur Werke von Autorinnen ausgewählt. In «ruhig Blut»
von der studierten Philosophin (und Yoga-Lehrerin) Eleonore Khuen-Belasi denken drei Frauen in der Tradition von Beckett und Schwab über Welt und Wandel nach, die Uraufführung inszeniert Clara Weyde in Koproduktion mit dem Schauspiel...
