Wo bleibt der Bus zum Happy End?
Ein Nicht-Ort: eine trostlose Haltestelle, eine kaputte Ampel und ein heruntergekommener Imbiss. Natürlich mit Nieselregen. Eine beliebige Kreuzung in einer beliebigen Stadt wie, sagen wir mal, Oberhausen. Nirgendwo und überall zugleich.
Im Imbiss sitzen die drei Frauen* Luca, Carla und Linn, die sich im Maschinenraum der Psyche oder auch dem Kraftcenter der Krise – vielleicht auch: einer psychiatrischen Klinik – begegnet sind und nun mehr oder weniger austherapiert auf den nächsten Abschnitt ihres Lebens warten. Also auf das Happy End.
Oder erst einmal auf den Bus, der aber nicht kommt. Die drei haben ihre Wunden begutachtet und bearbeitet (siehe hierzu das Prequel-Stück «glow in the dark!»). Die Wunden, das sind Leid und Traumata, vielleicht Depressionen, vielleicht Burnout, vielleicht Angstzustände, vielleicht aber auch der Kapitalismus oder der Neoliberalismus. Bestimmt aber spürt eine jede die ganze Tristesse der Verletzbarkeit und das komplette Alphabet des Schmerzes in sich. Nicht nur in ihren Seelen, sondern auch in ihren (Frauen-)Körpern, die sich nicht mehr messen lassen wollen mit einer vorgegebenen Norm. Ist Cellulite nicht sogar romantisch?
Zusammengeschweißt zu einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Neue Stücke, Seite 156
von Saskia Zinsser-Krys
In ihrem berühmten Essay «Anmerkungen zu Camp» schreibt Susan Sontag 1964, dass die wesentlichen Merkmale von «Camp» die Liebe zur Künstlichkeit, zum Artifiziellen und zur Übertreibung sind. «Camp» ist für Susan Sontag das Gefühl für eine bestimmte Ästhetik, etwas, das mit «kitschig» oder «affektiert» nur unzureichend zu übersetzen ist. Für Sontag ist «Camp» der...
Theater heute In den letzten Jahren ist das Stadttheater als Institution stark in die Kritik, auch die Selbstkritik geraten. Es gab Vorwürfe des Machtmissbrauchs, es gab viel Kritik an Arbeitsbedingungen, an hierarchischen Strukturen, am Intendant:innen-Leitungsmodell überhaupt, zuletzt auch an der Praxis der Nichtverlängerung von künstlerischen Verträgen. Darüber...
Amir Gudarzi kritisiert das verbreitete Bedürfnis, seine Werke mit der Herkunft ihres Autors erklären zu wollen und die Nationalitäten, die ihm daraufhin zugeschrieben werden: «der iranische Dramatiker», «der iranisch-österreichische Autor», «der talentierte Exildramatiker», «der Exil-Iraner», «der österreichische Autor». Tatsächlich gibt es kaum etwas, das weniger...
