Witz und Wachsamkeit
«Ist das hier vorher aufgenommen oder live?», fragt jemand im Chat, den eine alternative Privatschule veranstaltet, um sich mit den Eltern über eine Mumps-Epidemie auszutauschen. «Darum heißt es ja LIVE STREAM!», ist noch die höflichste Antwort. Wenige Postings weiter ist bereits vom «FA-SCHISTISCHEN Schulrat» die Rede, Kurkuma und Ingwer werden gegen Paracetamol ausgespielt, und jemand beschimpft alle als «VERTICKTE DEPPEN», um den Tippfehler gleich auf «Verfickte» zu korrigieren.
Nur eine gewisse Leslie Kaufman, über die wir gar nichts erfahren, schickt an den unpassendsten Stellen der völlig aus dem Ruder laufenden Impfdebatte ein Daumenrauf-Emoji. Als dann «ignorante Fotze» fällt, greift sogar Leslie zum Schock-Emoji – und der Chat wird vom überforderten Schulrat abgebrochen.
Die Komödie «Die Nebenwirkungen» des US-Autors Jonathan Spector ist am Wiener Burgtheater ein Déjà-vu-Erlebnis: 2018 wurde das Stück uraufgeführt, aber es passt perfekt zur Covid-Pandemie. Das ist seine verblüffende Pointe, aber auch seine Schwäche, weil wir kaum etwas Neues erfahren, wie sich Vorurteile hochschaukeln und Fronten verhärten, wie Wissenschaft als Meinung abgetan wird und man ja schließlich ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Karin Cerny
Schafe, alles Schafe», denkt Peter Bender oft in einer Art aufgebrachtem Mitleid, wenn er im Worms der 1920er Jahre die anderen Menschen an sich vorbeieilen sieht. Ihnen allen, diesen bedauernswerten Geschöpfen, fehlt nicht nur jede tiefere Einsicht in die Materie, sondern sie unternehmen auch keinerlei Anstrengung, zu selbiger zu gelangen! Für die träge...
In Turnschuhen und weißem Kleid sitzt sie mit ihrem Vater am langen Tisch und gibt freche Widerworte. Pauline Gloger nimmt ihre Ophelia am Staatstheater Meiningen sehr frisch. Mit ihrem Schatz Hamlet (Yannick Fischer) sitzt sie in der Schauspielerszene wild flirtend und händchenhaltend als imaginierte letzte Reihe am Bühnenrand. Das ist der wahre Hingucker dieses...
Wenn ein israelischer Regisseur in diesem Herbst ein Stück über zwei verfeindete Bruderstaaten inszeniert, muss er sich schon anstrengen, damit das Publikum darin nicht bloß die offensichtliche Nahostkriegsparabel sieht. Yair Sherman hat sich für Freiburg angestrengt.
Der Terrorüberfall der Hamas vom 7. Oktober erwischte den 39-Jährigen zwei Wochen vor der...
