Witz und Wachsamkeit

Jonathan Spector «Die Nebenwirkungen», Nino Haratischwili «Phädra in Flammen» im Burgtheater Wien

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«Ist das hier vorher aufgenommen oder live?», fragt jemand im Chat, den eine alternative Privatschule veranstaltet, um sich mit den Eltern über eine Mumps-Epidemie auszutauschen. «Darum heißt es ja LIVE STREAM!», ist noch die höflichste Antwort. Wenige Postings weiter ist bereits vom «FA-SCHISTISCHEN Schulrat» die Rede, Kurkuma und Ingwer werden gegen Paracetamol ausgespielt, und jemand beschimpft alle als «VERTICKTE DEPPEN», um den Tippfehler gleich auf «Verfickte» zu korrigieren.

Nur eine gewisse Leslie Kaufman, über die wir gar nichts erfahren, schickt an den unpassendsten Stellen der völlig aus dem Ruder laufenden Impfdebatte ein Daumenrauf-Emoji. Als dann «ignorante Fotze» fällt, greift sogar Leslie zum Schock-Emoji – und der Chat wird vom überforderten Schulrat abgebrochen.

Die Komödie «Die Nebenwirkungen» des US-Autors Jonathan Spector ist am Wiener Burgtheater ein Déjà-vu-Erlebnis: 2018 wurde das Stück uraufgeführt, aber es passt perfekt zur Covid-Pandemie. Das ist seine verblüffende Pointe, aber auch seine Schwäche, weil wir kaum etwas Neues erfahren, wie sich Vorurteile hochschaukeln und Fronten verhärten, wie Wissenschaft als Meinung abgetan wird und man ja schließlich ...

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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Karin Cerny

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