«Wir waren politisch wirkungslos»
Immer wieder Dresden. Zwar haben sich jüngst die PEGIDA-Demonstrationen aufgelöst, doch die Keimzelle der in Großteilen rechtsextremen AfD war eben die dort versammelte Melange aus Frust und Fremdenhass, die sich ohne nennenswerte Gegenwehr der Zivilgesellschaft auf den Dresdner Straßen Raum nahm. Ebenso wie die offen neonazistischen Demonstrationen zum 13. Februar, dem Gedenktag an die Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Mitten in diesen braunen Schockwellen steht das Staatsschauspiel als Trutzburg der Kunst, das sich zu diesem Außen irgendwie verhalten muss.
Unter dem Intendanten Holk Freytag war es die große Idee von Volker Lösch, dieses Außen nach innen zu holen, um zu schauen, worum es eigentlich geht, was da so gärt, und wie man in einen theatralen Verhandlungsprozess eintreten kann. Das Ergebnis waren fünfeinhalb Inszenierungen zwischen 2003 und 2015: «Die Orestie des Aischylos», «Die Weber» (und als Derivat «Die Dresdner Weber»), «Woyzeck», «Die Wunde Dresden» und schließlich «Graf Öderland / Wir sind das Volk». Das Besondere an diesen Inszenierungen: Es waren nicht nur Stückbearbeitungen, sondern es kam jeweils ein Bürgerchor zum Einsatz, der nicht nur Texte ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Bücher, Seite 38
von Torben Ibs
Es geht um Wahrheit. Quote ist was für Loser», sagt Rainald Goetz in «wrong», genauer in einem Interview mit Christoph Amend aus dem «Zeit-Magazin», das in diesem Sammelband abgedruckt ist. Damit liegt er natürlich komplett falsch, und das wusste er auch, als er es 2010 sagte. Im digitalen Zustand des Kapitalismus fällt eine Bastion der Wahrheit nach der anderen...
Es gibt Werke, die einen vorzüglichen Eindruck vom Grundgefühl der DDR vermitteln. Brigitte Reimanns Romanfragment «Franziska Linkerhand» ist ein solches, der Film «Unser kurzes Leben», der auf Reimanns Buch basiert, ebenso. Beide nehmen uns mit hinein in die Welt der gebremsten Aufstiegsversprechen in der ostdeutschen Nachkriegsmoderne.
Die Architektin Franziska...
Wo gerade noch das niedliche Ferienhaus der Familie Tyrone stand, liegt nur noch ein Bretterhaufen: Nach zwei Minuten ist es explodiert in tausend Teile. Ein Schockmoment, ein Knall -effekt für den Zuschauer, das Bild der Zerstörung danach erinnert an Überreste von Flutkatastrophen oder Erdbeben. Und so setzt Johann Simons mit seinem Hauptregieeinfall des Abends...
