Sieg des Standards
Es gibt Werke, die einen vorzüglichen Eindruck vom Grundgefühl der DDR vermitteln. Brigitte Reimanns Romanfragment «Franziska Linkerhand» ist ein solches, der Film «Unser kurzes Leben», der auf Reimanns Buch basiert, ebenso. Beide nehmen uns mit hinein in die Welt der gebremsten Aufstiegsversprechen in der ostdeutschen Nachkriegsmoderne.
Die Architektin Franziska Linkerhand träumt von einem sozialistischen Städtebau, der Wohnen und Leben in Einklang bringt. Sie imaginiert die Aufforstung der Innenstädte, die Schaffung von Kulturräumen, von Orten für Begegnung.
Aber in ihrer Brigade beißt sie auf Granit.
Den Leitern ist Eigeninitiative, zumal von Frauen, verdächtig. Im Dienste der Planwirtschaft lassen sie Plattenbauten an die Stadtränder klotzen, schaffen normierte kostengünstige Wohnbuchten, die die Nivellierung und Vermassung der Individuen vorantreiben.
Neben dem politischen Konflikt gibt’s allerlei persönliche Verwicklungen der Franziska Linkerhand, Geschlechterkämpfe, Leiden an Männern, die der Staat grau und klein gemacht hat. Ein schöner Stoff. Eigentlich.
Das Gorki-Theater hat seine erste Riege von Spielern versammelt: Aleksandar Radencovic, Falilou Seck, Till Wonka, dazu ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Christian Rakow
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