Der demütige Punk

Rainald Goetz’ Doppelveröffentlichung zum 70. Geburtstag: «Lapidarium» und «wrong»

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Es geht um Wahrheit. Quote ist was für Loser», sagt Rainald Goetz in «wrong», genauer in einem Interview mit Christoph Amend aus dem «Zeit-Magazin», das in diesem Sammelband abgedruckt ist. Damit liegt er natürlich komplett falsch, und das wusste er auch, als er es 2010 sagte. Im digitalen Zustand des Kapitalismus fällt eine Bastion der Wahrheit nach der anderen den Click-Strategen in die Hände, denen die Wahrheit schnurz ist, wenn sie nicht für Empörung taugt.

Aber Rainald Goetz’ Credo-Sammlung der eigenen Anschauungen in «wrong» dient auch nicht dem Zweck, Blaupausen der Wirklichkeit, die durch exzessiven Medienkonsum entstanden sind, analytisch richtig einzuschätzen. Diese 370 Seiten Selbsterklärung in Vorträgen, Reden und Interviews sollen den Autor zeigen als Architekt der Widersprüche, der apodiktische Aussagen mischt mit viel Sowohlals-auch, Beichten der eigenen Schwäche mit literarischen Putschversuchen gegen die Dummheit der Epoche, Rebellisches mit hoher Moral.

70 Jahre wurde Rainald Goetz Ende Mai, dieser sich stets schwer aus dem Altern windende Generationsautor von junggebliebenen Popkulturellen, die heute ungefähr so viel Leben vor der Wende verbracht haben wie ...

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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Bücher, Seite 35
von Till Briegleb

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