Wir hier drinnen, ihr da draußen
Es beginnt schon im Programmheft zu Laurent Chétouanes Büchner-Inszenierung. Zwei Texte von Roland Barthes kreisen darin um den Zustand der Erschöpfung, des fundamentalen Überdrusses, davon, «von unserer Lebensweise, unserem Verhältnis zur Welt genug zu haben. ... Alles wiederholt sich, alles dreht sich im Kreis: die gleichen Aufgaben, die gleichen Begegnungen, aber ohne innere Beteiligung, selbst wenn jedes einzelne Stück dieses Programms erträglich oder gar angenehm ist.
»
Analogien zu diesen Tschechow-affinen Sätzen finden sich zahlreich in «Dantons Tod», Büchners Drama der in den Terror weggeglittenen französischen Revolution und der letzten vierzehn Tage des Gemäßigten Danton, den die Hardliner des Umsturzes aufs Schafott bringen wollen: «Ich müsste schreien; das ist mir der Mühe zuviel. Das Leben ist nicht die Arbeit wert, die man sich macht, es zu erhalten.»
Die zweieinhalbstündige Fassung, die Chétouane und sein Dramaturg Jan Hein aus Büchners fünfaktigem Drama herausdestilliert haben, ist eine Engführung in die Daseinsermattung: getrieben allein vom Interesse an jenem Moment der Verweigerung Dantons im zweiten Akt, der nur noch nach Ruhe verlangt. Der sinnliche ...
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Einer, der die...
Im Fernsehen spielt Friedrich Gulda Mozart. Er trägt ein buntes Hawaiihemd und hat eine Muslimkappe auf dem Kopf. Gulda könnte, denkt man, weil er im Fernsehen nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen ist, übertreiben. Der Gedanke kommt einem, weil andere klassische Klavierkünstler statt eines Hawaiihemdes meist ein weißes Hemd und einen schwarzen Anzug anhaben....
Sechs auf einem Sofa. Und Sex hinter dem Sofa. Damit wären die Betriebsstrukturen in der «Cocka Hola Company» schon umrissen. Vorn, auf der Bühne, kuschelt das Kollektiv, rechts gluckst die Kaffeemaschine, links hüpft das Kind des Hauses auf den Kissen. Hinten, aus dem Off, stöhnt das Kollektiv, dort wird der nächste Pornofilm durchgehechelt. Von irgendetwas müssen...
