Betriebsfeier ohne Betrieb

Die Quelle-Familie zelebriert im Fürther Theater ihren Zerfall

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Es gab einmal Firmen, die mieteten sich für einen Abend ein ganzes Stadttheater, um ihren Mitarbeitern in gediegenem Ambiente mit kulturellen und kulinarischen Häppchen herzlich Dankeschön für Treue und Engagement zu sagen. Auf der Bühne sah man dann unterhaltsame Darbietungen und irgendwann den Chef, der wie ein leutseliger Kammerschauspieler in einem endlosen Monolog vom echten Zusammengehörigkeitsgefühl in seinem Laden schwärmte und zur Sicherheit noch ein paar stirngerunzelte Sorgen-Sätze dranhängte, die schwierige wirtschaftliche Lage betreffend.

Ansonsten aber war man da heiter und ausgelassen, denn die Firma ließ sich ja wirklich mal nicht lumpen.
 

Als Kapitalismus noch nett war

Solcherart war der Abend «Die Menschen von Primondo und Quelle» im Fürther Stadttheater nicht. Das heißt: eine Art Betriebsfeier war er schon – nur gab es den Betrieb nicht mehr, und die Chefs konnten nicht mehr ausfindig gemacht werden. Deswegen nannten sie die Mitarbeiter, die nun stattdessen da oben auf der Bühne standen, auch ungeniert «Lumpen». Dass die wirtschaftliche Lage schlecht ist, wussten alle Beteiligten der Feier auch ohne Warnungen aus der Konzernspitze. Schließlich hatten sie, die ...

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Theater heute März 2010
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Bernd Noack

Vergriffen
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