Wie die Äxte im Walde
Tausend Äxte, die an Seilen vom Bühnenhimmel herabbaumeln, ein monströs großes Kruzifix, ein endlos langer Putin-Tisch, auf dem ein Spielzeugpanzer seine Runde dreht: Es sind eindrucksvolle Bilder, die Oliver Frljic gemeinsam mit Igor Pauška (Bühne) und Maja Mirkovic (Kostüme) für seine Adaption des Dostojewski-Romans «Schuld und Sühne» ausbaldowert hat. Die Frage stellt sich nur, inwiefern sie einen Mehrwert darstellen, der über den kurzzeitigen Überwältigungseffekt hinausgeht. Darstellerisch jedenfalls wird oft nur an der Oberfläche gekratzt.
Vieles bleibt Behauptung, verdeutlicht sich nicht durchs Spiel.
Als da wäre die zentrale Gestalt Raskolnikow – in Dostojewskis meisterhafter Charakterstudie dargestellt als ein ständig fiebernder, halbverhungerter, von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen gepeinigter Mann. Ein größenwahnsinniger, hochintelligenter, armer Jurastudent, der aus Habgier zum Doppelmörder wird. Er haut der Pfandleiherin ein Beil in den Kopf, und auch deren zufällig auftauchende Schwester muss dran glauben. Der Zweck heilige die Mittel, so Ras -kolnikow, wie im Falle Napoleons und anderer großer Männer. «Was bedeutet das Leben dieser bösen Alten?», denkt er, «doch ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Verena Großkreutz
Ich kann mich nicht beklagen über die Zeit mit ihm in Gießen vor 40 Jahren und auch nicht über die letzten Jahre zwischen 2016 bis 2019, in denen er uns oft in der Volksbühne besucht hat. Wo er 2016 mit Martin Wuttke und mir nach Proben geredet hat, oder mit mir in der Kantine. Ich hab jetzt gerade, wo ich über ihn nachdenke, das Gefühl, er hat alle Abende von mir...
Der Krieg, von dem auf der Bühne erzählt werden soll, ist der, der schon vor dem 24. Februar 2022 im Osten der Ukraine herrschte. Drei von fünf relativ jungen Menschen haben in ihm gekämpft: Katya Kotliarova und Slavik Gavianets als Sol -datin und Soldat an der Front, der Schauspieler Roman Kryvdyk als Sanitäter. Oxana Cherkashyna, ebenfalls Profi-Schauspielerin,...
Gott schuf den Menschen aus einem Erdenkloß, berichtet die Bibel, und auch der Mensch hat danach nicht aufgehört, Ebenbilder zu schaffen, um sich seiner Geschichte zu versichern, meist in Form von Statuen oder Denkmälern. Der theatrale Parcours «Mount Average» von Julian Hetzel versteht diese Vorgänge als Zyklus von Schaffen und Vergehen und entwirft eine ebenso...
