In Linz müsste man sein ... in Linz.

Einsteigen, umsteigen, aufsteigen, absteigen, aussteigen – Schauspielerinnen und Schauspieler auf verschlungenen Biografiewegen zwischen den Welten des Berufs

Soeben hat sich der feine ältere Herr, der aus dem Kaukasus kommt und dessen türkischen Namen sich vorerst niemand merken kann, in Positur gestellt auf der Gartenbank im kleinen grünen Park des Sankt-Gertrauden-Krankenhauses in Berlin. Und auch die anderen nehmen fremde Haltungen an: Der alte Fritz zum Beispiel spielt – na klar! – den «Alten Fritz», und Carmen im Rollstuhl hat «Carmen» übernommen, was sonst.

Kurt-Peter, der sie durch diese kleine Theaterstunde und auch sonst durch die Krankenwelt schiebt, nimmt sich Peter den Großen vor, und auch die Ost-Ulknudel Helga Hahnemann ist besetzt. Ein einfaches Spiel: sich eine Persönlichkeit suchen, die völlig fremd ist, und zugleich vielleicht doch auch als kleiner Traum ein bisschen vertraut – die Patienten, die im Krankenhaus mit mehr oder minder schweren Defekten, stationär oder ambulant, in der Rehabilitation behandelt werden, genießen die Stunde sichtlich; womöglich nur als Abwechslung im Alltag zwischen Anwendungen und Mahlzeiten, Zeitung und Fernsehen. Vielleicht beginnen sie aber auch zu ahnen, wohin das führen kann: zu spielen – mit dem Bild von etwas oder jemand anderem; und also mit sich selber. Und ganz bestimmt mögen sie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2005
Rubrik: Die neue Klassengesellschaft?, Seite 22
von Michael Laages

Vergriffen
Weitere Beiträge
Bilanz Bundeskulturpolitik

Wer wie auch immer die Wahl gewinnt und vier Jahre Regierungskredit erhält: Der Sieger kommt um zwei hochkarätige Erblasten nicht herum. Wie soll es weitergehen in der Bundeskulturpolitik? Was wird aus dem/der zuständigen Staatsminister/in im Kanzleramt und was aus der Bundeskulturstiftung, seinem/ihrem schönsten und finanzkräftigsten Förderinstrument? Ein Gespräch...

Schauspieler des Jahres

Was muss passieren, damit sich eine Mehrheit von unterscheidungssüchtigen Kritikern auf eine Schauspielerin, einen Schauspieler als ihren Favoriten der Spielzeit einigt: das richtige Stück zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort mit den richtigen Partnern? 

Wahrscheinlich ist es viel einfacher, wahrscheinlich liegt es einfach an Wiebke Puls und Ulrich Matthes!

...
Ende und Anfang der Arbeit

Das Ende der Arbeit beginnt dort, wo die menschliche Arbeitskraft durch Maschinen ersetzt wird. Auch in Rinkes neuem Stück aus der Welt der Arbeitslosen gibt es dieses klassische Modell einer technischen Innovation, die menschliche Arbeit überflüssig macht: Der Nummernautomat in Rinkes Arbeitsamt wird umgerüstet zu einer Voicemailbox, die im Laufe der Zeit auch die...