Wenn sich Geschichte wiederholt
Wer erinnert sich noch an Paddy Chayefskys «Network», 40 Jahre nachdem er vier Oscars gewonnen hat? Die gleichnamige National-Theatre-Produktion nach dem US-Kultfilm wurde in der britischen Presse zu Recht als großer Coup gefeiert. Chayefskys prophetischer Blick auf die Macht und Strukturen unserer Medien scheint aktueller denn je.
Studiocountdown, Howard Beales Nase und Stirn werden ein letztes Mal abgetupft, dann surren die Kameras. Er verliest zum wer weiß wievielten Mal die Nachrichten für den Sender UBS.
Als ihm sein Boss in der Werbepause steckt, er sei gefeuert, weil seine Ratings im Keller sind, verkündet Beale seinen Zuschauern sachlich, in seiner letzten Sendung bringe er sich um, live on air. Das nun will ganz Amerika sehen, die Einschaltquoten sind astronomisch, und bleiben es, auch als Beale statt Suizid sich nur fundamental in Rage redet: Das Leben und alles, was einem so erzählt würde, sei «Bullshit!» Die Produzenten reagieren schnell und lassen ihn in der fix erfundenen «Howard Beale Show» messianisch wettern. Die populärste Sendung Amerikas. Bis das Phänomen Beale außer Kontrolle gerät.
Lee Halls Bühnenfassung dieser bösen Mediensatire bleibt inhaltlich nah am ...
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Theater heute Oktober 2018
Rubrik: International, Seite 56
von Patricia Benecke
Ein Musical, ausgerechnet. Mit Andreas Doraus «König der Möwen» entwickelte sich das in der avancierten Theaterwelt vielgeschmähte Genre schon Wochen vor der Premiere zum Publikumsrenner beim Internationalen Sommerfestival im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel. Nicht etwa eine Parodie, sondern ein echtes Musical, mit schmissigen Songs von Elektropop-Urgestein Dorau,...
Die Chefetage des deutschen Fernsehens hat ein kleines Problem. Irgendwie möchte man ja seinem volkspädagogisch menschelnden Auftrag nachkommen und – wir schreiben die frühen 1990er Jahre – die private Entspannungspolitik zwischen den frisch wiedervereinigten Brüdern und Schwestern vorantreiben. Und es gibt sogar schon eine Idee: Die mysteriöse Existenzweise der...
Auf den gut 150 Seiten von Mathieu Sapins Comic-Porträt «Gérard – Fünf Jahre am Rockzipfel von Depardieu» trinkt der große französische Schauspieler mit russischem Pass (seit 2013) ausschließlich Wasser, selbst wenn um ihn herum die Party tobt. Nur einmal, auf einer Reise nach Moskau, greift er im Anwesen seines Freundes, des ehemaligen Militärarztes Sergej,...
