Wenn Orangen wie Seifenblasen zerplatzen
Manchmal muss ein Festival gar nicht an einen Gedenktag anknüpfen, damit sein Programm hochaktuell erscheint. So ist es jetzt beim Digitalfestival «Diaspora Europa» gewesen, das vom 27. bis zum 31. Januar auf der Homepage der Berliner Volksbühne zu sehen war.
Das von Shelly Kupferberg und Tímea Junghaus kuratierte Festival gab einen aufschlussreichen Einblick in die zeitgenössischen Positionen von Sinte*zza, Rom*nja und Jüd*innen.
Seine Teilnehmer*innen hatten sich in Performances, Diskussionen, Lectures und Konzerten mal satirisch, mal ernst, aber immer schonungslos mit Europas unheilvoller Seite auseinandergesetzt. Genauer gesagt mit seinem tief verwurzelten Antisemitismus und -ziganismus, die seit einigen Jahren ja wieder sehr unverhohlen zur Schau gestellt werden.
Den besten Beweis dafür lieferte dann auch gleich eine während des Festivals im WDR ausgestrahlte Talksendung, die vor Alltagsrassismus nur so strotzte. Während «Diaspora Europa» mit rassistischen Vorurteilen aufzuräumen versuchte, diskutierten in «Die letzte Instanz» fünf weiße Fernsehgesichter darüber, ob man so ein Wort wie «Zigeunersauce» überhaupt noch sagen dürfe und kamen zu dem Ergebnis, dass die «politische ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 51
von Anna Fastabend
Fast genau ein Jahr ist es her, dass Mitte März 2020 der gesamte Spielbetrieb über Nacht auf null gebracht wurde – Maschinen stopp! aus voller Fahrt –, ein bis dato einmaliger Vorgang, anfangs noch deklariert als kurzer kollektiven Kraftakt, um bald wieder zum glücklichen Normalzustand zurückzukehren. Doch der ist nach vorsichtigen Lockerungsversuchen im letzten...
Im Foyer steht ein schmaler, blasser Vampir. Es ist Harald Wolff. Genauer, ein Avatar des Vorsitzenden der Dramaturgischen Gesellschaft (dg). Er selbst verbringt die Jahrestagung der dg vor dem Laptop, wie wir alle. Aber statt das alljährliche Treffen als die gefühlt 1642. Videokonferenz seit Corona zu veranstalten, hat die dg 2021 den Sprung ins noch Virtuellere...
Um autoritären Bedrohungen in liberalen Demokratien nachzugehen, muss man sich vor allem um Entwicklungslinien kümmern und nicht nur Einzelereignisse herausgreifen. Da gibt es auf der einen Seite eine eher langfristige Entwicklung ab dem Jahre 2000, aber auch eine kurzfristige Entwicklung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, deren politische und...
