Warum schweigt ihr?
«Draußen vor der Tür» boomt auf deutschen Bühnen. Angesichts der Weltlage kein Wunder. Ein Stück, dessen Qualitäten auch im Authen -tischen liegen, weil sein Autor Wolfgang Borchert im Zweiten Weltkrieg selbst als Soldat an die Front musste, und dann 1947 seinen kriegsbedingten körperlichen Leiden 26-jährig erlag. «Draußen vor der Tür» ist das Stück eines sensiblen jungen Mannes, der als Teenager Gedichte schrieb und Schauspieler werden wollte, bis er 1941 zum Kriegsdienst eingezogen wurde, den er knapp überlebte.
Währenddessen wurde er mehrmals wegen kritischer Äußerungen über den NS-Staat inhaftiert.
Das Grauen des Krieges aus der poetisch reflektierenden Sicht eines Kriegstraumatisierten: Die expressionistischen und expressiven Sprachbilder, die Borchert für das Erlebte schuf, sind groß. Man denke an den Albtraum seines Protagonisten Beckmann: Jede Nacht wird er aus dem Schlaf gerissen vom Schreckgespenst eines Generals, der mit seinen Armprothesen ein Xylophon aus Menschenknochen traktiert, während zu seiner Marschmusik eine Armee aus toten Soldaten ihren Gräbern entsteigt und Beckmanns Namen schreit. Die Schuldgefühle lassen den kriegsversehrten Heimkehrer und Ex-Unterof ...
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Theater heute Februar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Verena Großkreutz
Die Gegenwart liefert. Dramatisches Material, so weit das Auge reicht: Eben noch wurde der mittlerweile vorbestrafte Donald Trump erneut zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt, jetzt spricht sein neuer Buddy und künftiger Schleifer demokratischer Institutio -nen, zufällig der reichste Mann der Welt, Wahlempfehlungen für die AfD aus; steuert...
«Dass die Miliz sich einschifft nach Batavia, den eingebornen Kön’gen dort (...) Raub zum Heil der Haager Krämer abzujagen.»
Diesen Satz von Kleist muss man verstanden haben, will man Philipp Preuss’ Inszenierung des «Zerbrochnen Krugs» im Theater an der Ruhr verstehen. Aber er kommt erst ganz am Schluss. Also rätselt man herum, warum in der altbekannten Geschichte...
Von wegen Geschichte wiederholt sich nicht! Wer redet heute noch von Fortschritt, zumindest in einem Stück, das ganz programmatisch «Replay» heißt? Und damit auch niemand auf falsche Gedanken kommt, hat Yael Ronen ihrem neuen Werk an der Berliner Schaubühne einen kleinen Erklärbär-Monolog vorgebaut, in dem sich eine Lotte, die an der Schwelle zur Me -nopause steht,...
