Vom Wels befreit
«So, Leute, das Land ist frei.» Arbeit erledigt. Tell schmeißt seine goldene Armbrust in den Teich, mit der er zuvor den tyrannischen, brutalen Reichsvogt Gessler niedergestreckt hat. «Das Land ist frei, das Land ist frei», singen die Fische lustig im Chor und lassen tanzend die Flossen flattern. Und das Publikum klatscht enthusiasmiert mit und jubelt. Eine solch frenetisch-fröhliche Reaktion auf die Feier demokratischer Ideen erlebt man im Theater im Allgemeinen ja nicht.
Und das ist das Schöne an Christian Weises Inszenierung von Friedrich Schillers letztem Drama «Wilhelm Tell»: dass dieser Abend genau so endet – ob das Publikum nun wegen der fetzigen Musik beglückt ist oder wegen des besungenen Inhalts. Auf jeden Fall gereicht sein Echo dem freiheitlich befeuerten Dichter zu Ehren, dessen «Tell» die diesjährigen Schillertage des Mannheimer Nationaltheaters eröffnete.
Gespielt wird open air, auf der Seebühne im Seitenbecken des Kutzerweihers im Mannheimer Luisenpark, auf dem Gelände der diesjährigen Bundesgartenschau. Das Stück um Rütlischwur und Apfelschuss, in dem Schiller den Gründungsmythos der Schweiz mit dem sagenumwobenen eigenbrödlerischen Meisterschützen verknüpft hat, ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Verena Großkreutz
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