Um alles und mich
Fünf Tage lang ging es um jahrhundertealte Schuld genauso wie um die «Letzte Generation», um Queerness und um unumstößliche Männlichkeitsbilder, um die unendliche Liebe und um Gustaf Gründgens. Bei Gründgens dann allerdings weniger um die unendliche Liebe als um dessen stromlinienförmiges Verhalten während der NS-Zeit. Es ging um Herkunft und fremde Sprachen, Arbeitslosigkeit und Eifersucht, um Ehrgeiz und Zweifel, um eine Covidinfektion und den mühsamen Kampf zurück ins Leben. Kurz gesagt: Es ging eigentlich «die ganze Zeit um mich».
Wie jedes Jahr waren die Themen und Arbeiten, die während des Körber Studio Junge Regie 2023 gezeigt wurden, so unterschiedlich wie die Regisseur:innen und Regieteams selbst. Insgesamt 13 Inszenierungen waren dieses Jahr vom 7. bis 11. Juni im Thalia in der Gaußstraße sowie am Campus Barmbek, dem Standort der Theaterakademie Hamburg, zu Gast. Darunter waren Abschlussinszenierungen der Ausbildungsstätten genauso wie fortgeschrittene szenische Versuche aus dem Studium, freie Arbeiten mit eigenen Texten wie Klassikerüberschreibungen, Romanadaptionen, Ergebnisse dokumentarischer Recherchen oder spielfreudi -ges Schauspielertheater. Doch was diese ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Festivals, Seite 31
von Katrin Ullmann
Einen «autobiografischen Roman» nennt Samuel Finzi «Samuels Buch», sein Buch, die Coming-of-Age-Geschichte eines der beliebtesten und meistbeschäftigten Theater- und Filmschauspieler im deutschsprachigen Raum. Vielleicht wäre «Terrazzo-Mosaik» ein noch besserer Untertitel gewesen. Denn es ist der Terrazzo-Boden in seiner Berliner Küche, der ihn zum Terrazzo-Boden...
Josefine Israel spielt und spielt und spielt. Sie spielt die Schülerin Iselin. In Knausgårds «Der Morgenstern» (Regie Viktor Bodó, 2023). Für ihren Musiklehrer überwindet diese junge Frau unvermittelt ihre Scheu, wagt sich an die Untiefen ihrer Gefühle, singt hingebungsvoll Coldplays «Fix you», während der Pullunder-Pädagoge ungerührt in die Tasten seines...
Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, aber es gab Zeiten, da konnten Intendantinnen oder Intendanten nur dann den Job wechseln, wenn ihr Vertrag ausgelaufen war. Heute scheinen Verträge nur noch so lange bindend, bis ein besseres Angebot vorliegt. Die Wiener Festwochen haben von dieser Entwicklung in jüngster Zeit zuerst profitiert und dann darunter...
