Vom berechtigten Zweifel
Geschichte ist Gegenwart. Am Beginn von Arthur Schnitzlers «Professor Bernhardi» situiert die Angabe «Wien um 1900» die Komödie in der Regierungszeit des Wiener Bürgermeisters Karl Lueger (sprich Lu:eger), von dem Adolf Hitler nach eigenen Angaben lernte, den Antisemitismus als politisches Kampfmittel einzusetzen.
Als «Professor Bernhardi» 1912 in Berlin zur Uraufführung kam, war Lueger bereits seit zwei Jahren nicht mehr Wiener Bürgermeister, dennoch blieb das Stück, in dem ein jüdischer Arzt und Klinikleiter einem katholischen Priester aus medizinischen Gründen den Zugang zu einer sterbenden Patientin verweigert und dafür mit einer öffentlichen Kampagne gegen ihn und einer Verurteilung zu zwei Monaten Haft bezahlt, noch bis 1918 verboten. Zu brisant erschien die Auseinandersetzung mit dem so weitverbreiteten wie tiefsitzenden Judenhass. Und es ist erst knapp zehn Jahre her, dass der «Dr. Karl Lueger-Ring» umbenannt wurde und damit auch die Adresse des Burgtheaters nicht mehr an diesen prominenten und in Wien jahrzehntelang verehrten Antisemiten erinnert. Auch ist es wohl kein Zufall, dass die Diskussionen um das große Denkmal am weiterhin nicht umbenannten «Dr. Karl ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 144
von Sebastian Huber
Telegram Chatgruppe von punktlive am 23.5.21 Members:
Cosmea Regie, Berlin
Lotta Liveschnitt & Assistenz, Wien
Leo Technische Konzeption, Freiburg
Sofie Produktion, Stuttgart
Jonny Schauspiel, Bochum
Flo Schauspiel, Augsburg
Klara Schauspiel, Wiesbaden, für die Dauer des Chats aber in Griechenland im Urlaub
Cosmea hey Leude, Theater heute hat gefragt ob...
Aber natürlich wird das Theater in zwanzig Jahren anders sein – in hundert Jahren allemal. Und es versteht sich, dass das Theater keinen Bogen ums Digitale machen kann. Allen Anhängern des analogen Theaters sei das zugerufen: Ja, es wird ein digitales Theater geben. Mein Spiegel im Bad klebt schon von den Aerosolen dieses Ausrufes, mein Bücherregal im Arbeitszimmer...
Gewerkschaftsarbeit, seien wir ehrlich, ist ein Wort, bei dessen staubigem Klang sich normalerweise Hustenreiz einstellt. So war es jedenfalls, bis Ende März Lisa Jopt in einem YouTube-Video sich und ihre «Modernisierungsagenda» den Mitgliedern der Genossenschaft deutscher Bühnenarbeiter:innen vorstellte: In vierzig sachlichen und doch unterhaltsamen Minuten...
