Ritualreste einer Zombiewelt

Späte Erkenntnisblitze durchzucken das apokalyptische Aschefeld – Frank Castorfs «Hamlet» in Hamburg

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Rechts ein Militärbunker, links ein Hochspannungsmast, und dazwischen – spie -gelverkehrt – der angerostete Schriftzug «Europe». Das riesige schwarze waste land, das sich davor in Richtung Rampe auftut, erinnert optisch an verbrannte Erde und beschaffenheitstechnisch an ein Bällebad zur Kinderbespaßung. Das sind sie also, die Reste des großen Vergnügungsparks Europa.

Und damit auch wirklich keine Missverständnisse aufkommen, dass hier nicht nur «something», sondern definitiv everything «rotten» ist, tritt der Schauspieler Jonathan Kempf an die Rampe des Hamburger Schauspielhauses und bekräftigt das, was man sieht, noch einmal in einem unmissverständlichen Monolog: «Ich war Ham -let. Ich stand an der Küste und redete mit der Brandung BLABLA, im Rücken die Ruinen von Europa.»

Frank Castorf denkt Shakespeares «Hamlet» in Aleksandar Denics adäquatem Bühnenbild also aus dem Geist von Heiner Müllers «Hamletmaschine». Und als Zuschauerin tut man gut daran, deren Kernsatz – «Mein Drama findet nicht mehr statt» – todernst zu nehmen; und zwar in doppelter Hinsicht. Konkret gesprochen, glänzen hier nämlich tatsächlich ganze Shakespeare-Handlungsteile durch konsequente Abwesenheit; die Akte ...

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Theater heute November 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Christine Wahl

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