Versehrt, verletzt, vernarbt
Theater ist eine lokale Kunst. Schreiben eigentlich nicht. Theaterschreiben bestenfalls nicht. Dramatik will und soll grundsätzliche Fragen stellen. In Zeiten vielschichtiger Förderungen zeigt sich aber, dass das Schreiben lokale Verortung erfährt. Immer öfter ist nicht nur das Theater und sein Ensemble, sondern die Metropole oder der Landstrich samt seiner kulturhistorischen Komplexität Matrize für Stückaufträge. Gelegentlich erweist sich diese Ortsanbindung als Problem, weil sehr lokal gedacht, nur örtlich recherchiert oder zu national eingebettet wurde.
In Österreich stellt sich nicht selten die Frage, ob ein Text zu «deutsch», also zu deutschlandspezifisch ist. Das scheint nur im allerersten Moment kurios: Wir alle wissen, dass die gemeinsame Sprache die eigentlichen Unterschiede markiert, das Trennende an sich darstellt. Manche Stücke bleiben für ein österreichisches Publikum zu stark an der Alltagserfahrung der deutschen Nachbarn kleben und lassen sich gar nicht oder kaum auf den österreichischen Kontext übertragen. «Piefkinesisch» schimpfen das Herr oder Frau Österreicher. Diese Tatsache hat uns am Wiener Schauspielhaus immer wieder heftig diskutieren lassen: Ist dieses ...
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Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 145
von Andreas Beck
David Mamet sorgte 2008 mit einem Artikel, den er unter dem etwas reißerischen Titel «Why I Am No Longer a Brain-Dead-Liberal» im New Yorker Magazin «The Village Voice» veröffentlichte, für Furore. Er sagte sich darin von der idealistischen Linken los, für die er sich ein Leben lang eingesetzt hatte, und machte sich für die Argumente der Vertreter des neoliberalen...
Neue Stücke sind zwar nicht grundsätzlich besser als alte Stücke,aber ohne neue Stücke wird es in Zukunft keine besseren mehr geben. Also auch in der neuen Saison: Die neuen Lieblingsstücke der Dramaturgen!
Felicia Zellers neuer Text führt unmittelbar in den ganz normalen Wahnsinn der gegenwärtigen, immer schneller werdenden Arbeitswelt und beschreibt dabei bestimmte Formen von Normalität, wie sie sich in unserer modernen Gesellschaft zunehmend etablieren: Normal ist, dass man sich fast ausschließlich nach Menge und Qualität geleisteter Arbeit beurteilt. Normal ist,...
