«Ach, Geschichte. Ah, Leben» – Wie Geschichte erzählen?

Peter Handkes «Immer noch Sturm», eine Familienerinnerung als Traumspiel und Zeitreise

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Aber die Erinnerung kommt nie von vorne auf einen zu – sie kommt seitlich um die Ecke. Allem, was ich sah und hörte, war ich gewissermaßen ausgeliefert. Anstatt dass ich die Gegend nach ihr abjagte, begann sie mich plötzlich in meiner Seele herumzujagen. Sie jagte mich!» Diese Sätze, ich las sie unlängst in einer Erzählung von Carson McCullers, ließen mich unwillkür­lich an Peter Handke denken.

Der Erzähler seines Stückes «Immer noch Sturm» könnte sie gesagt haben, oder eben der Autor selbst, wenn er über Slowenien spricht, das Jaunfeld, seine Erinnerung an diese Landschaft und seine Vorfahren, die scheinbar in Handkes Seele von seinem erstem Roman bis heute herum jagen, bis zu seinem Stück «Immer noch Sturm», für das er, mit neunundsechzig Jahren, nach fünf vergeblichen Nominierungen, auch zum ersten Mal den Mülheimer Dramatikerpreis erhält.

«Immer noch Sturm» ist ein Stück Familienerinnerung, die seitlich um die Ecke kommt. Es schildert die Geschichte einer kärntnerslowenischen Kleinhäuslerfamilie aus der Sicht eines Erzählers, der vom Autor «Ich» genannt wird. Dieses «Ich» ist nicht wirklich Herr Handke persönlich. Es ist auch nicht wirklich Herr der von ihm provozierten Lage, ...

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Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die Stücke des Jahres, Seite 56
von Thomas Oberender

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