Unter Menschenfressern
Die Zeitungen, Radio- und Fernsehnachrichten quollen über in diesen Tagen von Skandalen ganz nach Bauart des altvertrauten Klischees von der südamerikanischen Bananenrepublik; nur dass es halt derzeit die Hoffnungsträger von gestern sind, die augenscheinlich die Finger nicht lassen können vom schmierigen Spiel um Privilegien und Pfründe bei der staatlichen Post. Wie überall und immer wieder, und unabhängig auch von Farben und Ideen, geht Machterhalt vor Gewissen; Bananenhändler bleibt Bananenhändler.
Wir Nachgeborenen der Kolonialisten vergangener Jahrhunderte können da bekanntlich seit einiger Zeit kompetent mitreden – aus profunder eigener Euro-Erfahrung. Und wie sich Ulrich Becks analytisches Soziologen-Wort von der «Brasilianisierung» am Standort Deutschland auf unterschiedlichste Weise als außerordentlich gegenwärtig und wahrhaftig erwiesen hat, so antwortet Brasilien auf abgründig-selbstverständliche Art.
Natürlich kommt am Ende auch Uta Atzpodien, Theaterwissenschaftlerin in Hamburg und über viele Lebensabschnitte hin eng verbunden mit den verschiedenen Theater-Szenen Latein- und Südamerikas, um Becks erhellende Zustandsbeschreibung nicht herum. Aber da ist sie schon beim ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die disparaten Textfragmente der großen Potentaten der deutschen Geistesgeschichte (Novalis, Kleist, Fichte, Hegel und Heidegger), die Elfriede Jelinek in «Wolken.Heim» zu einem unheimlichen, zeit- und ortlosen Identitätsdiskurs verschmolzen hat, irritieren immer noch. Auch 17 Jahre nach der Uraufführung befremdet diese hymnisch nationalistische Selbstbeschwörung,...
Wenn im Theater der Vorhang hochgeht, hat das normalerweise nichts zu bedeuten. Hier ist es ein Zeichen, das Hoffnung machen soll: «Es geht wieder aufwärts!» Sagt Regisseur Schorsch Kamerun, der als «Schuldenberg-Moderator» höchstpersönlich durch seine Inszenierung von Kathrin Rögglas neuem Theatertext «draußen tobt die dunkelziffer» im Wiener Volkstheater (eine...
Über den Mittag essen auch schon mal Banker im schönen Biergarten. Keine Würste, eher Piccata Milanese oder ein Tandoori. An den Wochenenden feiert ein szenenunspezifisches Publikum im Restaurant Reithalle jene Art von Allerwelts-Disco, die man in ihrem unverfrorenen Balzritual provinziell nennen mag. Und am Abend erwartet das Publikum in den ehemaligen...
