Unter Menschenfressern
Die Zeitungen, Radio- und Fernsehnachrichten quollen über in diesen Tagen von Skandalen ganz nach Bauart des altvertrauten Klischees von der südamerikanischen Bananenrepublik; nur dass es halt derzeit die Hoffnungsträger von gestern sind, die augenscheinlich die Finger nicht lassen können vom schmierigen Spiel um Privilegien und Pfründe bei der staatlichen Post. Wie überall und immer wieder, und unabhängig auch von Farben und Ideen, geht Machterhalt vor Gewissen; Bananenhändler bleibt Bananenhändler.
Wir Nachgeborenen der Kolonialisten vergangener Jahrhunderte können da bekanntlich seit einiger Zeit kompetent mitreden – aus profunder eigener Euro-Erfahrung. Und wie sich Ulrich Becks analytisches Soziologen-Wort von der «Brasilianisierung» am Standort Deutschland auf unterschiedlichste Weise als außerordentlich gegenwärtig und wahrhaftig erwiesen hat, so antwortet Brasilien auf abgründig-selbstverständliche Art.
Natürlich kommt am Ende auch Uta Atzpodien, Theaterwissenschaftlerin in Hamburg und über viele Lebensabschnitte hin eng verbunden mit den verschiedenen Theater-Szenen Latein- und Südamerikas, um Becks erhellende Zustandsbeschreibung nicht herum. Aber da ist sie schon beim ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was ist wichtiger: Theater oder Tagesstätten? Das ist so ungefähr die dämlichste Frage, die man Amélie Niermeyer antun kann – einer Frau, die seit sieben Jahren Erfahrung darin hat, Karriere und Kind unter einen Hut zu bringen. Stellen wir sie trotzdem, diese dämliche, gefährliche Frage. Sie hat die Noch- und bald Ex-Intendantin in ihren drei Freiburger Spielzeiten...
Der traurigste Satz in Dea Lohers an verzweifelten Ausrufen, hilflosem Geplapper, mutlosem Verstummen und endgültigen «letzten Worten» so reichem Stück «Unschuld» steht ganz am Ende: «Ich wäre gerne ein Rettungsschwimmer», sagt der illegale Immigrant Elisio. Aber da ist ja längst niemand mehr da, der sich wirklich helfen lassen würde: All die seltsamen Wesen in der...
Theater Heute Kathrin Röggla, in Ihrem neuesten Theaterstück «draußen tobt die dunkelziffer» wimmelt es von Leuten, die tief in den Miesen stecken. Kennen Sie das aus eigener Erfahrung?
Kathrin Röggla (lacht) Wir alle sind verschuldet! Das ist unsere Grunddisposition! Ich muss lachen, weil ich gerade Gilles Deleuzes Postscriptum zu Foucaults...
