Umsturz nach Dienstplan
Fake News sind gefährlich, das hat sich herumgesprochen und ihrer zersetzenden Kraft keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: Vielleicht liegt die größte Infamie ja gerade darin, dass wer ihnen nachgeht, sich selbst aufs Terrain der Verschwörungstheorien begeben muss, wo man sich nur allzu leicht verirrt. Łukasz Ławicki hat davor augenscheinlich keine Angst. Seine Inszenierung von Lars Werners «Das Ende des Westens», die er im November in Oldenburg zur Uraufführung brachte, ist eben das: eine Verschwörungstheorie über Verschwörungstheorien.
Dabei klingt der Ansatz zunächst streng dokumentarisch: Erzählt wird die Geschichte der Internet Research Agency, der «Kremlinbots», die im Auftrag des berüchtigten Oligarchen Yevgeny Prigozhin Webforen und Kommentarspalten westlicher Medien terrorisierten. Mit dem Ziel, gesellschaftliche Spannungsfelder durch gezielte Falschinformationen weiter zu polarisieren.
Statt nun aber die überschaubaren Informationen, die über die Trollfabrik als gesichert gelten, griffig und informativ aufzubereiten, stürzen sich Ławicki und seine Besetzung mit ins Spekulative. Vier Darsteller:innen (und eine Off-Stimme) in uniformen Kostümen geben schlaglichtartige ...
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Theater heute Februar 2026
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Jan-Paul Koopmann
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