«Ich hatte große Ängste!»
Theater heute Herr Milstein, wie sind Sie für Ihr Stück an den Münchner Kammerspielen auf den Fall Auerbach gekommen? Der Auschwitz-Überlebende war erster bayerischer Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte von 1946 bis 1952 in München und beging nach einem – wie sich später herausstellte – Justizskandal Selbstmord. Philipp Auerbachs Leben und seine letztlich tragische Geschichte sind zwar historisch gut dokumentiert, haben aber im historischen Gedächtnis der Deutschen nie eine Rolle gespielt.
Avishai Milstein Ganz einfach: Barbara Mundel, die Intendantin der Münchner Kammerspiele, hat mich darauf aufmerksam gemacht und gefragt, ob ich darüber ein Stück schreiben wolle. Darauf habe ich begonnen, recht umfangreich zu recherchieren. Ich habe die schöne Biografie von Hans-Hermann Klare gelesen, habe mich in München ins Staatsarchiv gesetzt, die Protokolle des Prozesses gelesen, mit Fachhistorikern gesprochen und auch mit Leuten, die ihn noch persönlich erlebt haben. Ich habe auch viel über die Lager der sogenannten «displaced persons» erfahren, also die Rückkehrer, Zwangsarbeiter und Vertriebenen aus den Konzentrationslagern. Dabei bin ich darauf gestoßen, dass ...
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Theater heute Februar 2026
Rubrik: Akteure, Seite 35
von Eva Behrendt, Franz Wille
«Das sind nur die 90er, mein Freund, und das ist nicht mal bös’ gemeint.» So sang einst die Punk-Band But Alive über ihr identitätsstiftendes Jahrzehnt. Die Band ist inzwischen aufgelöst, ihr Sänger steht heute der Polit-Poprock-Combo Kettcar vor. Besonders im Osten, also in den Transformationsländern Mittel- und Osteuropas, waren die 1990er ein wilder Ritt...
Mauern, Barrikaden, Zäune ... Unsere Welt kann jeden Moment auseinanderfallen. Wir leben an der Grenze, nahe der Frontlinie, versunken in Chaos und Unsicherheit», lautet der nicht gerade optimistische Gesellschaftsbefund im Programmtext der neunten Ausgabe des Festivals Generation After. Seit 2017 veranstaltet das von Krzysztof Warlikowski gegründete und...
Dunkel mag die Welt sein, kalt rieselt der Schnee, doch beruhigend belehrt uns die warme Erzählerstimme über den Verlauf des Abends. 2,5 Stunden wird er dauern, eine Pause. In der wir Zuschauer machen können, was wir wollen! Und da rauscht auch schon der blutrote Vorhang auseinander und enthüllt das hypergrell ausgeleuchtete White Cube-Universum des Markus Öhrn....
