«Ich hatte große Ängste!»
Theater heute Herr Milstein, wie sind Sie für Ihr Stück an den Münchner Kammerspielen auf den Fall Auerbach gekommen? Der Auschwitz-Überlebende war erster bayerischer Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte von 1946 bis 1952 in München und beging nach einem – wie sich später herausstellte – Justizskandal Selbstmord. Philipp Auerbachs Leben und seine letztlich tragische Geschichte sind zwar historisch gut dokumentiert, haben aber im historischen Gedächtnis der Deutschen nie eine Rolle gespielt.
Avishai Milstein Ganz einfach: Barbara Mundel, die Intendantin der Münchner Kammerspiele, hat mich darauf aufmerksam gemacht und gefragt, ob ich darüber ein Stück schreiben wolle. Darauf habe ich begonnen, recht umfangreich zu recherchieren. Ich habe die schöne Biografie von Hans-Hermann Klare gelesen, habe mich in München ins Staatsarchiv gesetzt, die Protokolle des Prozesses gelesen, mit Fachhistorikern gesprochen und auch mit Leuten, die ihn noch persönlich erlebt haben. Ich habe auch viel über die Lager der sogenannten «displaced persons» erfahren, also die Rückkehrer, Zwangsarbeiter und Vertriebenen aus den Konzentrationslagern. Dabei bin ich darauf gestoßen, dass ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2026
Rubrik: Akteure, Seite 35
von Eva Behrendt, Franz Wille
Ödön von Horváth kannte den Begriff Femizid zwar noch nicht, war aber in seinen Stücken sehr präzise in der Beschreibung, wie Frauen, die aus ihren angestammten Rollen entfliehen möchten, systematisch in den psychischen und physischen Untergang getrieben werden. Kate Mannes Definition von Misogynie trifft perfekt auf eine Marianne aus «Geschichten aus dem Wiener...
Jung und alt ist immer ein schöner Gegensatz: TikTok-süchtige Medienzombies versus Wählscheibentelefonen hinterhertrauernde Untote, wobei beide Seiten den Respekt gegenüber der jeweils anderen oft vermissen lassen. Die Regisseurin und Autorin Karen Breece hat in einem Rechercheprojekt mit jungen alten Leipziger:innen am Theater der Jungen Welt diesen Gegensatz...
Der griechische Begriff «Porneia» bezeichnet in der Bibel Unzucht und sexuelle Unmoral – Prostitution, Homosexualität, Sex vor der Ehe. Der biblische Kontext allerdings spielt in Golda Bartons Komödie kaum eine Rolle – es geht um die antiken Göttinnen Demeter, Aphrodite und Athene, und die leben bekanntermaßen eine pragmatische, sinnesfrohe Haltung zur Sexualität....
