Die Freuden der Demokratisierung

Max Reinhardt zum 150. oder: Über bequeme Mythen, die eine politische Lesart des großen Zauberers verdecken

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Max Reinhardt zum 150. Geburtstag zu gratulieren, ist gleichermaßen einfach wie ungefährlich: Die Verdienste dieses großen Regisseurs und Theatermachers liegen auf der Hand. Wie kaum ein Zweiter hat er das deutschsprachige Sprechtheater durch seine Art, Regie zu führen, revolutioniert. Große Schauspielernamen wie Gertrud Eysoldt, Albert Bassermann, Tilla Durieux, Alexander Moissi und selber Werner Krauss sind mit ihm verbunden.

Kritiker wie Alfred Kerr oder Siegfried Jacobsohn haben für oder gegen ihn leidenschaftlich Partei ergriffen, und seine Inszenierungen von Shakespeare bis Hofmannsthal sind Legende.

Legende allerdings auch im bequemen Sinn, denn in einem Zweig der Kultur, der die schnelle Blüte mehr liebt als das melancholische Erinnern, ist der Name Reinhardt so bekannt wie seine Arbeiten unbekannt sind. Oder besser: nur noch als Schemen erinnerlich, wie der sich auf der Drehbühne bewegende Wald des «Sommernachtstraums» oder die immer noch jeden Sommer durch Salzburg klingenden «Jedermann!»-Rufe vor dem Vorstellungsbeginn auf dem Domplatz. So ist es fröhlich und gemütlich und nett, Max Reinhardts zu gedenken – vielleicht aber auch, weil es uns Allzu-Gegenwärtigen so wenig ...

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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Theatergeschichte, Seite 35
von Peter W. Marx

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