Die Zeitenwende
Es hat nicht lange gedauert. Zehn Tage, um genau zu sein. Zehn Tage, in denen die Ergebnisse der amerikanischen Wahlen Schockwellen durch die westliche Welt schickten; zehn Tage, in denen der zukünftige amerikanische Präsident Donald Trump Rassisten und Antisemiten auf die wichtigsten Posten im Weißen Haus berief; zehn Tage, in denen er deutlich machte, dass seine Regierung nichts weniger als einen Frontalangriff auf das liberale Amerika der vergangenen acht Jahre plant.
Zehn Tage, bis Donald Trump und sein designierter Vizepräsident Mike Pence eine Kontroverse um das Broadway-Musical «Hamilton», das kulturelle Aushängeschild der Obama-Ära, entfachten und dafür sorgten, dass das amerikanische Theater so viel negative mediale Aufmerksamkeit bekam wie schon seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Von nun an konnte niemand mehr daran zweifeln, dass die zukünftige Regierung in ihrem Feldzug für die ideologische Neuorientierung Amerikas auch die Welt von Kunst, Theater, Literatur und Popkultur unter Beschuss stellen wird.
Mike Pence war als Gouverneur Indianas für seine ultra-konservative Politik bekannt geworden. Schwule Männer sollten in seinem Bundesstaat zur ...
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Theater heute Januar 2017
Rubrik: Theater mit Trump, Seite 4
von Daniel Schreiber
Wenn Autoren ihre Wohlstandsheimaten durchbuchstabieren, fällt das in der Regel wenig schmeichelhaft aus. Da bildet die Zürcher Dramatikerin Katja Brunner keine Ausnahme, die der Schweiz unter dem Titel «Man bleibt, wo man hingehört, und wer nicht bleiben kann, gehört halt nirgends hin oder: Eine arglose Beisetzung» eine Art Sündenregister erstellt....
Nicht wirklich lustig, vier Tage nach der Schockstarre, in die die US-Wahlen geführt hatten, lustig sein zu wollen. Mit einem Stück, in dem es um einen Egoisten geht, der der Frau seines Freundes in den Schritt greift und alle Prinzipien lustvoll über Bord wirft, wenn es ihm nützt. Der Egoist heißt Johann Fatzer, ersonnen hat ihn Bertolt Brecht vor knapp 90...
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