Freie Szene: Was will das Kind?
Die ersten Minuten passiert nichts. Ein buntes Bühnenbild, ein wallendes Laken an der Decke, es dominiert die Farbe Rosa. Eine Höhle? Im Innern des Schweinebauchs? Schließlich betreten fünf Performer die Bühne und beschreiben Menschen, die sie in den vorausgehenden Minuten offenbar im Publikum beobachtet haben. Bewegungen, Kleidungsstücke, Gespräche, Frisuren. Das Aussehen und Verhalten von fremden Personen in Momentaufnahmen ist eine Collage von losen Teilen, die unverbunden im Raum schweben. Und damit ist man schon mitten im Autismus.
Besonders am schwer beeinträchtigten Ende des breiten Ausprägungsspektrums fügen sich bei dieser Behinderung Gesehenes und Erlebtes nicht in einen größeren Sinnzusammenhang. Zumindest nicht in eine Sinnhaftigkeit, die sich von außen verstehen lässt.
Der Bildende Künstler und Regisseur Tobias Yves Zintel ist mit einem autistischen Bruder aufgewachsen. Wie sich der Autismus von Marcus auf die Familie auswirkte, thematisierte Zintel 2012 bereits im Film «Mental Radio». In den «Autistischen Spielen» im Ballhaus Ost greift er den Stoff gemeinsam mit dem Psychiater und Autor Przemek Zybowski neu auf: Die beiden verbinden Videodokumente, tänzerische und ...
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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Monika Scheele
Die 1980er Jahre waren glamourös. Männliche Popstars trugen Lidschatten und Lippenstift, ohne auf die Idee zu kommen, sich als genderfluid zu bezeichnen. Das Fernsehen, damals noch Leitmedium, warf einen Blick in die Welt der Superreichen. Wenn «Dallas» ab 1978 lief, drängte sich die ganze Familie, von der Oma bis zum Enkelkind, vor dem Bildschirm, schließlich...
Vielleicht hat es sich Philipp Löhle mit «Andi Europäer», dem neuen Auftragswerk des Hausautors am Nürnberger Staatstheater, doch ein wenig leicht gemacht? Die Idee ist reizvoll, sicher, das Ergebnis dann aber doch eher plump: ein Gag-Potpourri mit vehement behauptetem radikalem Anspruch, der aber verpufft, weil er nur Vorurteile ausbreitet und das Naheliegende ins...
hallo/hört uns jemand?/kann uns jemand», «ist wer/ist wer da?», «wir .../ – /wir sehn wir spürn nicht ob da wer» (…) «sind wir/sind wir allein?/da draußen»: Zu Beginn von Ewald Palmetshofers «Die Verlorenen» (Stückabdruck TH 12/19) reden verschiedene Stimmen, allesamt «eine*r» genannt, in die Dunkelheit des Zuschauerraums. So will es der Autor im Text, so...
