Talent zum Mythos
Wer dieser Tage in den USA nach sehenswertem Theater sucht, der stößt auch hier auf jene Spaltung, die sich in den Wahlen zeigte: Auf der einen Seite sind da die großen Broadway-Shows, Musicals und Bestseller-Inszenierungen für ein zahlungskräftiges Publikum, das von Popkultur und Kino erzogen worden ist, im Theater nicht viel anderes als gute Unterhaltung zu suchen und die auch bekommt.
Auf der anderen Seite arbeitet man in den ungezählten Theater- und Performance-Departments der Universitäten an allem, was der Über -lebenskampf in einem Land ohne eine öffentlich subventionierte Theaterlandschaft unmöglich macht. Wer in den USA als Künstler Theater machen wolle, erzählt eine Theaterwissenschaftlerin, der muss sehen, dass er einen Job an einer Universität ergattert.
Zwischen deren Drama- und Performance-Departments auf der einen, dem Kommerz auf der anderen Seite halten sich mehr schlecht als recht Theater, die in Deutschland vermutlich irgendwo in der Freien Szene am Rande der Förderung ihren Platz fänden: Spärlich und unsicher von Sponsoren, Mäzenen, dem Publikum und hier und da von pädagogische Aufgaben für Schüler, Manager oder Therapie suchenden Kunden finanziert, überleben ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: International, Seite 38
von Nikolaus Müller-Schöll
«Grüßen Sie Gisela von mir!», lautet eine der Redewendungen aus dem «Handbüchlein für Türken». Neben «Leerlaufgemischschraube» oder «Wann kann ich das Geld bekommen?». Mit diesem Buch, das erzählt der Jurastudent Elyas (Cino Djavid), haben seine Eltern Deutsch gelernt, haben Floskeln und Fachbegriffe geübt. Damals, als sie nach Deutschland kamen. Nach Köln. Um bei...
Wäre dies ein Stück von Ferdinand von Schirach, wir bekämen irgendwann im Laufe der Aufführung mit Sicherheit Stimmzettel in die Hand gedrückt – um zu «entscheiden», welche der Positionen für uns denn nun «richtig» sei. Jedenfalls hat Yasurs jüngstes, jetzt auf Deutsch in Kassel erstaufgeführtes Stück viel von dieser Methode und deren Sound. «Triage» heißt die...
Sechs Schauspieler:innen kommen auf die Bühne, stellen sich an die Rampe, blicken ins Publikum. Nehmen Kontakt auf. «Ich möchte Sie etwas fragen», sagen sie, mal schüchtern, mal entschieden. Sie splitten den Satz in Subjekt, Objekt, Prädikat, spielen sie sich zu wie Bälle über die Bande des Publikums und holen schließlich tief Luft: «Ob es genügt.» Diese aufs ganze...
