Im Dazwischengefühl
«Grüßen Sie Gisela von mir!», lautet eine der Redewendungen aus dem «Handbüchlein für Türken». Neben «Leerlaufgemischschraube» oder «Wann kann ich das Geld bekommen?». Mit diesem Buch, das erzählt der Jurastudent Elyas (Cino Djavid), haben seine Eltern Deutsch gelernt, haben Floskeln und Fachbegriffe geübt. Damals, als sie nach Deutschland kamen. Nach Köln. Um bei Ford zu arbeiten. Als erstes Unternehmen überhaupt in Deutschland hatten die Ford-Werke im Herbst 1961 mit der Anwerbung türkischer Arbeitskräfte begonnen.
Grundlage war das deutsch-türkische Anwerbeabkommen, das am 30. Oktober 1961 in Bad Godesberg unterzeichnet worden war. Schon 1965 beschäftigten die Ford-Werke gut 6200 türkische Mitarbeiter:innen. Sie standen am Fließband, im Schichtdienst. Um sich und ihren Familien eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Und ihren Kindern ein Jurastudium. Zum Beispiel.
Elyas’ Biografie und die seiner Eltern ist nur eine von vielen. Fast 900.000 Türk:innen waren Anfang der sechziger Jahre nach Deutschland gekommen, bis die Bundesrepublik am 23. November 1973 den Anwerbestopp verhängte. Deniz Utlu hat über sie, vor allem über deren Kinder, ein Buch geschrieben. Sein Generationen-Porträt ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Katrin Ullmann
Eine einsame Nacht. Irgendwo in Deutschland, in Nordseeküstennähe. Im Radio laufen die Nachrichten, berichten von Baerbock, Berlin und Kiew. Zum Abschluss das Wetter: Quellwolken, fallende Temperaturen und leichter Nieselregen. Richtig wohlig klingt das alles nicht. Aber wohlig sind die Zeiten ja auch nicht. Und die Nächte sowieso einsam. Letzeres zumindest erzählt...
Sie erscheint von Anfang an brüchig, die Selbstherrlichkeit, mit der Thomas Schmauser als «Baumeister Solness» noch vor dem Eisernen Vorhang seine Erfolge bilanziert – mit Worten, die Yves Saint Laurent, ein anderer großer, zeitlebens von Depressionen und Selbstzweifeln geplagter Kreativer auf seiner Abschieds-Pressekonferenz wählte: «Jeder Mensch braucht seine...
Von der Decke tropft es. Erst bemerkt das niemand, alle haben zu viel zu tun – damit, Klebebandrollen von rechts nach links zu tragen, beispielsweise. Oder mit dem Verlegen eines orangefarbenen Verlängerungskabels. Was Erwachsene eben so machen, tagein, tagaus. Die lecke Decke kann diese geruhsame Geschäftigkeit zunächst kaum erschüttern, die Performerinnen schauen...
