Ob es genügt?
Sechs Schauspieler:innen kommen auf die Bühne, stellen sich an die Rampe, blicken ins Publikum. Nehmen Kontakt auf. «Ich möchte Sie etwas fragen», sagen sie, mal schüchtern, mal entschieden. Sie splitten den Satz in Subjekt, Objekt, Prädikat, spielen sie sich zu wie Bälle über die Bande des Publikums und holen schließlich tief Luft: «Ob es genügt.» Diese aufs ganze Leben gemünzte Frage hat Regisseurin Johanna Wehner aus Brigitte Reimanns unvollendetem Romanprojekt «Franziska Linkerhand» destilliert.
Die gleichnamige Protagonistin, eine engagierte junge Architektin, stellt sie ihrem Vorgesetzten, aber auch sich selbst, mit der allergrößten Ernsthaftigkeit. Hier, im Staatstheater Cottbus, reicht das Ensemble sie eindringlich an sein betagtes Publikum weiter.
Dann geht es zurück in die Nachkriegszeit, in die Aufbaujahre der jungen DDR. Brigitte Reimann (1933–1973), die selbst keine vierzig Jahre alt wurde, fiktionalisierte mit «Franziska Linkerhand» auch ihre eigene Biografie: Aus bürgerlicher Familie, aber selbst überzeugte Sozialistin, zog die junge Autorin 1960 in die Reißbrettstadt Hoyerswerda, arbeitete acht Jahre im Kombinat Schwarze Pumpe und schrieb, den Ideen des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Eva Behrendt
Das Mark Taper Forum in Los Angeles hat mit einem Paukenschlag wiedereröffnet: mit einer Neuinszenierung der ikonischen Rockoper «American Idiot» von Green-Day-Frontman Billie Joe Armstrong und Michael Mayer. Die Produktion der Center Theatre Group in Zusammenarbeit mit Deaf West markiert den mutigen Auftakt der neuen künstlerischen Leitung von Regisseur Snehal...
«Eine Irre bist du, eine Trudnerin», brüllt ein ungnädig-frustrierter Schwiegersohn (Jeremias Beckford) über die Studiobühnen-Rampe des Bamberger ETA Hoffmann Theaters. Und es dauert nicht lange, bis er die Adressatin der Beschimpfung – seine verhasste Schwiegermutter, die in Gestalt der Schauspielerin Martina Dähne zu diesem Zeitpunkt noch unerschrocken-tough...
Die Aufführung ist erst wenige Minuten alt, als auf der Bühne jemand ein paar grundsätzliche Fragen stellt, die man im Zuschauerraum zu diesem Zeitpunkt ganz gut nachvollziehen kann: «Was ist das für ein Ort? Wo sind wir hier? Was hat das alles zu bedeuten?»
Nun, wir sind im Wiener Volkstheater, wo die Regisseurin Anna-Sophie Mahler das wenig gespielte...
