Ob es genügt?
Sechs Schauspieler:innen kommen auf die Bühne, stellen sich an die Rampe, blicken ins Publikum. Nehmen Kontakt auf. «Ich möchte Sie etwas fragen», sagen sie, mal schüchtern, mal entschieden. Sie splitten den Satz in Subjekt, Objekt, Prädikat, spielen sie sich zu wie Bälle über die Bande des Publikums und holen schließlich tief Luft: «Ob es genügt.» Diese aufs ganze Leben gemünzte Frage hat Regisseurin Johanna Wehner aus Brigitte Reimanns unvollendetem Romanprojekt «Franziska Linkerhand» destilliert.
Die gleichnamige Protagonistin, eine engagierte junge Architektin, stellt sie ihrem Vorgesetzten, aber auch sich selbst, mit der allergrößten Ernsthaftigkeit. Hier, im Staatstheater Cottbus, reicht das Ensemble sie eindringlich an sein betagtes Publikum weiter.
Dann geht es zurück in die Nachkriegszeit, in die Aufbaujahre der jungen DDR. Brigitte Reimann (1933–1973), die selbst keine vierzig Jahre alt wurde, fiktionalisierte mit «Franziska Linkerhand» auch ihre eigene Biografie: Aus bürgerlicher Familie, aber selbst überzeugte Sozialistin, zog die junge Autorin 1960 in die Reißbrettstadt Hoyerswerda, arbeitete acht Jahre im Kombinat Schwarze Pumpe und schrieb, den Ideen des ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Eva Behrendt
BERLIN, SCHLOSS BIESDORF bis 23. Februar 2025, Achim Freyer Bilder – Eine Retrospektive
Anlässlich des 90. Geburtstags von Achim Freyer zeigt die Ausstellung das malerische Schaffen des Theaterkünstlers im Kontext spezifischer Lebensphasen, u. a. Flucht aus der DDR 1972.
ESSEN, MUSEUM FOLKWANG bis 12.1.25, Grow it, show it! Haare im Blick von Diane Arbus bis TikTok
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Bernarda Alba oder ein Puppenheim. Alex Eales hat eine Puppenstube an die Bühnenrampe des Hamburger Schauspielhauses gestellt: einen schmucklosen Flachbau, dem an der Rampenseite die Mauer fehlt. Man blickt direkt in die Zimmer der Familie Alba, kleine Kammern, in denen die fünf Töchter sowie die demente Großmutter leben; man könnte hineingreifen, und die Figuren...
Die Aufführung ist erst wenige Minuten alt, als auf der Bühne jemand ein paar grundsätzliche Fragen stellt, die man im Zuschauerraum zu diesem Zeitpunkt ganz gut nachvollziehen kann: «Was ist das für ein Ort? Wo sind wir hier? Was hat das alles zu bedeuten?»
Nun, wir sind im Wiener Volkstheater, wo die Regisseurin Anna-Sophie Mahler das wenig gespielte...
