Stirb und werde!
Irgendwo musste der Werther-Satz ja untergebracht werden in Simon Verhoevens Verfilmung von Joachim Meyerhoffs Buch. «Ach, diese Lücke, diese schreckliche Lücke ... », seufzt der Philosoph und Großvater auf der Bank unterm Baum, erschöpft von der Wanderung. «Entsetzlich! Entsetzliche Lücke ...», fällt ihm Ehefrau Inge ins Wort. Sie, die unverwüstliche Diva, ehemalige Schauspielerin an den Münchner Kammerspielen, ist die glamouröse Domina an der Seite ihres verrenteten Philosophieprofessors.
Und ein wenig Loriot ist immer im Spiel bei diesem eingespielten alten Ehepaar, das sein Rentnerleben in festen Ritualen gebändigt hat: Der Tag beginnt mit Champagner, zum Mittagessen kursiert der Rotwein, um 6 kommt der Whisky, und um 9 endet der Tag mit Cointreau. Joachim Meyerhoff, der liebende Enkel des extravaganten Paares, hat dieses Ehepanorama im dritten Teil seiner mittlerweile 6-teiligen Lebenserzählung verewigt. Als er in München die Otto-Falckenburg-Schule besuchte, lebte er drei Jahre in der großbürgerlichen Villa am Nymphenburger Park bei seinen Großeltern. Während dort zwei Leben so elegant wie möglich ihrem Ende entgegengehen, soll in der Schule das Neue entstehen, Josse zum ...
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Theater heute Februar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Barbara Burckhardt
Ödön von Horváth kannte den Begriff Femizid zwar noch nicht, war aber in seinen Stücken sehr präzise in der Beschreibung, wie Frauen, die aus ihren angestammten Rollen entfliehen möchten, systematisch in den psychischen und physischen Untergang getrieben werden. Kate Mannes Definition von Misogynie trifft perfekt auf eine Marianne aus «Geschichten aus dem Wiener...
Ein junger Mann steht vorne vor der Rampe des Weimarer Nationaltheaters, läuft an ihr entlang, wirft einen prüfenden Blick in den Zuschauerraum, als müsse er sich vergewissern, dass sich das Unterfangen lohnt. Ein Blick auf den neuen Ort, wo jetzt das Wesentliche, das Theater passieren soll. Der Startsequenz von Thomas Manns «Felix Krull» wohnt viel Anfang inne....
In meinem Hotel in Wuzhen sind nicht nur an den Aufzügen, sondern manchmal auch irgendwo entlang der Korridore junge Menschen positioniert, die den Hotelgästen bei Bedarf den Weg weisen. Das mag überfürsorglich klingen, wird aber durchaus in Anspruch genommen – auch von mir. In dem gigantischen Resort-Hotel mit seinen vier Türmen und unzähligen Querverbindungen...
