Stilwille gegen Inhaltismus
Das Beste an der Ruhrtriennale sind die tollen Orte, an die man gelotst wird. Nach all den Jahren gilt das nicht mehr so sehr für die gewaltigen deindustrialisierten Kathedralen einstiger Metallgewinnung und -verarbeitung – man kennt das inzwischen –, sondern eher für die putzigen und rührenden, bizarren bis einschmeichelnden vermeintlichen Problemzonen, an denen urbanistisch-soziologische, groß- und kleinstadtromantische und natürlich gentrifizierungskritische Installationen an den Start gebracht werden.
Jedesmal ist mein erster Reflex: Was!? Das soll das angeblich völlig heruntergekommene, von Arbeitslosigkeit gebeutelte Duisburg-Rheinhausen sein? Wo nur noch irgendein Szymanski mit dem Messer zwischen den Zähnen für Ordnung sorgen kann? Und dies der Drogenkiez der Dortmunder Nordstadt? Stattdessen Niedlichkeitsalarm: süße Arbeiterhäuschen, eine Änderungsschneiderei mit großzügigem Rosenschmuck, die Frau beim morgendlichen Bier vor der Eckkneipe mit den längsten blonden geflochtenen Extensions diesseits von fünfzehn Jahre alten R&B-Videos und der liebe verwirrte Rentner mit der coolen Pilotenbrille und der Sweatshirt-Aufschrift «Cheerleader».
Diesen Blick des leicht in Routinen ...
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Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Festivals, Seite 6
von Diedrich Diederichsen
Ist schon eine Weile her, dass ein gewisser Major Tom die Ground Control anfunkte und sich daran gewöhnen musste, dass irgendwas schief läuft. Das war 1969. Dreizehn Jahre nach David Bowie ließ Peter Schilling denselben Major im All schweben und sorgte dafür, dass der lost Tom «völlig losgelöst» war. Die neue deutsche Welle hielt sich mit Text nicht wirklich lange...
Könnte es sein, dass zu #MeToo so langsam alles Wesentliche gesagt ist? Nur noch nicht von allen? Das Maxim Gorki Theater geht die Frage zum Saisonbeginn systematisch an. Im Vorprogramm zur neuen Yael-Ronen-Produktion «Yes but No» läuft im kleinen Studio eine Stückeigenentwicklung von Suna Gürler und Lucien Haug zum Thema Adam, die männliche Hauptfigur, unter einem...
Die Chefetage des deutschen Fernsehens hat ein kleines Problem. Irgendwie möchte man ja seinem volkspädagogisch menschelnden Auftrag nachkommen und – wir schreiben die frühen 1990er Jahre – die private Entspannungspolitik zwischen den frisch wiedervereinigten Brüdern und Schwestern vorantreiben. Und es gibt sogar schon eine Idee: Die mysteriöse Existenzweise der...
