Staffellauf auf Mooslandschaft

Kleist «Das Käthchen von Heilbronn»

Theater heute - Logo

Ein Wesen von zarterer, frommerer und lieberer Art müsst ihr euch nicht denken, und kämt ihr auf Flügeln der Einbildung, zu den lieben kleinen Engeln» – gemeint ist hier in naturgemäß realitätsferner väterlicher Wahrnehmung die eigene Tochter, das Käthchen, eine kleine, mollige Göre, die grimassierend des Vaters Ausführungen kommentiert.

Vater Theobald Friedeborn, bei Christoph Finger ein hektischer Magengeschwürtyp, wendet sich in seiner Verzweiflung nicht mehr an ein Femegericht (wie bei Kleist), sondern an das Publikum, die bürgerliche Mitte, auf deren Verständnis er rechnen kann, schließlich geht es um das besorgt verklärte Beäugen des zumeist einzigen Kindes: Da hatte man schon einen Schwiegersohn für das Mädchen ins Auge gefasst (bei dessen Nennung des Mädchens Zeigefinger tief in ihrem Mund verschwindet), und da läuft sie diesem Graf vom Strahl hinterher, der doch gar nichts von ihr wissen will! Keine Frage, ein typischer Fall elterlicher Überbehütung – das Glas Milch für die Kleine folgt auf dem Fuße.

Dieser doppelbödige Aufgalopp könnte eine Ahnung dessen geben, warum David Bösch sich zum Spielzeitauftakt in Essen das «Käthchen von Heilbronn» vorgenommen hat. Wer jedoch auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2007
Rubrik: Chronik, Seite 40
von Natalie Bloch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Woyzeck aus Dagenham

Patricia Benecke In «Motortown» geht es um einen Heimkehrer aus dem Irakkrieg. Um das, was der Krieg mit ihm angestellt hat. Ist das ein Antikriegsstück?

Simon Stephens Es ist nicht so sehr meine Reaktion auf den Krieg im Irak, sondern auf die Antikriegskampagne. Die besten Stücke für mich sind generell die, die nicht selbstbewusst einen Standpunkt vertreten,...

Frau als Beute

Spannungsarm lehnt der Gatte an der Küchenzeile. Die Frau hat sich in einen Wutanfall hineingesteigert, schreit «du elender Kerl» und streicht sich eine absichtsvoll drapierte Grauhaarsträhne aus dem Gesicht. Er wolle jetzt «keine kleinkarierte Rechnung aufmachen», erwidert der Gatte in stilechtem Vorabendseriendeutsch und sitzt die Sache erst mal aus. Man scheint...

Unsere Wikipedia-Welt

Wir waren schlecht, würde ich sagen. zumindest an jenem freitag abend im november. wenig wurde aus ihm gemacht von unserer seite. ein braves publikum, das eher eindimensionalen vorstellungen von wissensvermittlung folgte. ein braves publikum, das dem vermeintlichen expertenwissen zu folgen schien, wohin es einen auch führte. wenig widerspruch. wenig...