Stadt und Land

nach Tschechow/Woody Allen «Manhattan Möwe» (Zürich Neumarkt Theater)

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Gegen die Idee gibt es gar nichts einzuwenden: die amerikanischen Großstadtneurotiker aus Woody Allens Film «Husbands and Wives» mit Tschechows russischen Landneurotikern aus der «Möwe» zu vermengen. Zweimal in Lethargie und erotischen Projektionen auf blut­junge Mädchen dahinsiechendes Bildungs­bürgertum, larmoyante Dekadenz des Geistes und der Glieder, lange Reden, ins Endlose hinaus verzögerte Entschlüsse und in lebenslanger Sehnsucht verhallende Küsse. Das Leben als große Oper der unerfüllten Wünsche.

All das schimmert immer wieder durch in Milan Peschels «Manhattan Möwe». Natürlich bleibt dabei Tschechow, der von Woody Allen als großes Vorbild apostrophiert wird, der Größere, der Poetischere, der Klügere, der Radikalere.

Man hat danach Lust, die «Möwe», dieses wieder- und wiedergekäute Stück der Theater­geschichte, ganz für sich allein zu sehen: die Hollywoodneurosen einer abgetakelten Bühnendiva, ihres schreibenden Dramatikersohnes Kostja und der werdenden Jungschauspielerin Nina. Dieses Stück, gegen das sich der smarte Woody Allen ausnimmt wie ein belangloses Geplauder am Küchentisch.

Und so beginnt «Manhattan Möwe» auch. In der Wohnküche einer engen Bohème-Wohnung in ...

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Theater heute Oktober 2011
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Simone Meier

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