Spionage
Was zeigt man, und was verbirgt man, was darf man sehen und was nicht? Fragen, die das Theater schon immer beschäftigt haben und die seit Kurzem durch die zweischneidigen Errungenschaften von Social Media und Big Data unweigerlich in unserem täglichen Leben angekommen sind, wo das Spektrum von Information und Neugier über Voyeurismus und Exhibitionismus mittlerweile bis zu totaler Überwachung und Identitätsraub reicht. Ob einen bei diesem, dank Snowden und Co.
nicht mehr zu leugnendem Ist-Zustand nur ein leichter Schwindel oder bereits blanke Paranoia überfällt, liegt wohl hauptsächlich an der Verdrängungskonstitution des Einzelnen. Wo Dispositive der Macht wie Privatheit oder Geheimnis ihren kulturhistorischen Ursprung haben und welche Rolle die Kunst bei einem offensiven Umgang damit spielen kann, darüber hat man sich nun an den Münchner Kammerspielen im Rahmen der internationalen Konferenz «Sensible Daten: Die Kunst der Überwachung» in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Goethe Institut, kuratiert von den Journalisten Tobi Müller und Sarah Harrison (Wikileaks), tiefgehende Gedanken gemacht.
Bereits im Dezember 2016 hatte die Gruppe Rimini Protokoll ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Silvia Stammen
Marine le Pen könnte die nächste rechtsradikale Staatschefin in Europa werden und Frankreich aus der EU führen. Über die kulturelle Debatte im und um das Theater vor der Stichwahl im April.
Man sollte nicht mit Namen scherzen. Aber bei Kate Strong und ihren Figuren ist Stärke eine ernstzunehmende Eigenschaft: ein Porträt.
Clemens Setz hat einmal gesagt, er kenne...
Natürlich wirkt Eszter not amused, als mitten in der Nacht ihre Schwester Ernella vor der Wohnungstür steht, Mann und Teenie-Tochter inklusive. Schließlich ist es keine zwölf Monate her, dass Ernellas Gatte just auf dieser Türschwelle großspurig von dauerhafter Auswanderung gesprochen hatte: Mindestens zehn Jahre lang bräuchte hier, in Budapest, niemand mehr mit...
Es hat etwas Genüssliches, wie in diesem «Othello» das rassistische Vokabular für die Beleidigung von Schwarzen angesammelt wird. Neger, Nigger, Hottentott, Makake, Molukke, Kaffeesatz oder Urwaldkönig nennen Othellos Soldaten ihren Heerführer. Sie essen demonstrativ Nutella, das sie «Othella» nennen, und auch die neueste Version des Kolonialsprechs, mit dem weiße...
