Spionage

Wegschauen erlaubt: Performances zum State of the Art der Überwachung von Rimini Protokoll, Oliver Zahn und Chris Kondek an den Münchner Kammerspielen

Was zeigt man, und was verbirgt man, was darf man sehen und was nicht? Fragen, die das Theater schon immer beschäftigt haben und die seit Kurzem durch die zweischneidigen Errungenschaften von Social Media und Big Data unweigerlich in unserem täglichen Leben angekommen sind, wo das Spektrum von Information und Neugier über Voyeurismus und Exhibitionismus mittlerweile bis zu totaler Überwachung und Identitätsraub reicht. Ob einen bei diesem, dank Snowden und Co.

nicht mehr zu leugnendem Ist-Zustand nur ein leichter Schwindel oder bereits blanke Paranoia überfällt, liegt wohl hauptsächlich an der Verdrängungskonstitution des Einzelnen. Wo Dispositive der Macht wie Privatheit oder Geheimnis ihren kulturhistorischen Ursprung haben und welche Rolle die Kunst bei einem offensiven Umgang damit spielen kann, darüber hat man sich nun an den Münchner Kammerspielen im Rahmen der internationalen Konferenz «Sensible Daten: Die Kunst der Überwachung» in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Goethe Institut, kuratiert von den Journalisten Tobi Müller und Sarah Harrison (Wikileaks), tiefgehende Gedanken gemacht.
Bereits im Dezember 2016 hatte die Gruppe Rimini Protokoll ...

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Theater heute März 2017
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Silvia Stammen

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