So schnell verschwindet das Theater nicht
Premierenabend im Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Heike M. Goetze inszeniert Ödön von Horváths «Geschichten aus dem Wiener Wald» als alptraumhafte Theater-Installation, die vom «Volksstück gegen das Volksstück» wenig übrig lässt außer gesichtslosen Zombies, die auf der auf den Kopf gestellten Bühne ihr Unwesen treiben.
Als «eine Geisterpremiere» charakterisiert Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier den Abend: Der Schutz vor der Corona-Pandemie hat ihr Haus wie alle deutschen Bühnen zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate in einen Lockdown gezwungen, kein Publikum darf die Säle betreten. Im Gegensatz zum Frühjahr darf allerdings noch geprobt werden. Auch Premieren dürfen im Grunde gefeiert werden, nur eben ohne Zuschauer*innen. Und Beier lässt die Premiere zu, im leeren Saal: Das Stück wird live gestreamt und ist so etwas anderes als die Theater-Streamings, mit denen die Bühnen im Frühjahr ihre Websites bespielten und die genau genommen online gestellte Theatermitschnitte aus der Konserve waren. Diesmal aber wird die durch den Frühjahrs-Lockdown in Frage gestellte Losung «Theater ist live» ernst genommen; all das, was man (in diskutabler Übertragungsqualität) auf dem Bildschirm ...
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Theater heute Januar 2021
Rubrik: Streams, Seite 9
von Falk Schreiber
1. SZENE
Erster Mann. Zweiter Mann. Dritter Mann. – Erster und Zweiter Mann sind außer Atem.
Erster Mann Der verdammte Fucker! Der verdammte Scheißkerl! Der verdammte Scheißfucker!
Zweiter Mann Das ist deine Schuld, du Arschloch! Das ist ganz allein deine Schuld, du Scheißarschloch!
Dritter Mann Sagt mir, was passiert ist. Ich will wissen, was passiert ist! Ihr...
Der Berliner Oranienplatz könnte noch einiges machen aus seinem Talent zum öffentlichen Ort. Das liegt hauptsächlich am um- und querlaufenden Verkehr, der die angrenzenden Cafés an die Seite drückt, statt sie Richtung Platzmitte rücken zu lassen. Aber auch die sogenannten Grünflächen sind so räudig und plattgelatscht, dass sie zu wenig mehr als zur...
Stellt euch vor, ein Theater wird eröffnet und keiner darf hin! Gerade mal drei Wochen konnte Barbara Mundel ihr neues Haus bespielen, zunächst noch vor knapp 200 Zuschauern, dann sind per Dekret der bayerischen Staatsregierung nur noch 50 erlaubt – für Mundel ein Akt kompletter Willkür –, und seit dem 2. November setzt die bundesweite Komplettschließung erst...
